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Aber man hat ja blofs für Zwecke des Tausches und der Wertbestimmungdas Verhältnis verschiedener (bezw. aller) Waren zu einander (alsodas Resultat der Division der einzelnen durch alle anderen) zu be-stimmen und der Geldsumme, d. h. dem entsprechenden Bruchteil deswirksamen Geldvorrates gleichzusetzen; und dazu bedarf es nur irgendeiner numerisch bestimmbaren Gröfse. Wenn sich die Ware n zu derSumme A aller verkäuflichen Waren verhält, wie a Geldeinheiten zuder Summe B aller vorhandenen Geldeinheiten: so ist der ökonomischeWert von n ausgedrückt durch a/B. Dafs man dies meistens nicht sovorstellt, liegt daran, dafs B ebenso wie A ganz selbstverständlich sind— weil ihre Wandlungen nicht leicht in unsere Wahrnehmung treten —und deshalb in ihrer Funktion als Nenner gar nicht besonders bewulstwerden; was uns im einzelnen Falle interessiert, sind ausschliefslich dieZähler n und a. Daher konnte die Vorstellung entstehen, dafs n und asich an und für sich, unmittelbar und absolut entsprächen, wozu sieallerdings gleichen Wesens sein müfsten. Dafs jener allgemeine, dasVerhältnis überhaupt begründende Faktor in Vergessenheit geriete, bezw.nur tatsächlich, aber nicht bewufst wirkte, wäre ein Beispiel für einender durchgreifendsten Züge der menschlichen Natur. Die beschränkteAufnahmefähigkeit unseres Bewufstseins einerseits, die kraftsparendeZweckmäfsigkeit seiner Verwendung andrerseits bewirkt, dafs von denunzähligen Seiten und Bestimmungen eines Interessenobjekts immer nureine geringe Zahl wirklich beachtet werden. Den verschiedenen Ge-sichtspunkten, von denen die Auswahl und Rangierung der bewufst-werdenden Momente ausgeht, entspricht es, dafs diese letzteren in einesystematische Stufenfolge gegliedert werden können; dieselbe beginnt da-mit, dafs von einer Reihe von Erscheinungen nur dasjenige, was ihnenallen gemeinsam ist, beachtet wird, an jeder nur die Grundlage, die siemit den anderen teilt, ins Bewufstsein tritt; das entgegengesetzte End-glied der Skala bezeichnet es, wenn an jeder Erscheinung gerade nurdas zum Bewufstsein kommt, was sie von jeder anderen unterscheidet,das absolut Individuelle, während das Allgemeine und Fundamentaleunter der Schwelle des Bewufstseins bleibt. Zwischen diesen beidenExtremen bewegen sich in den mannigfaltigsten Abstufungen die Punkte,an welche sich, als an Seiten der Gesamterscheinungen, das höchste Be-wufstsein heftet. Ganz durchschnittlich kann man nun sagen, dafstheoretische Interessen das Bewufstsein mehr auf die Gemeinsamkeiten,praktische mehr auf die Individualität der Dinge hinweisen werden.Dem metaphysisch interessierten Denker verschwinden oft genug diendividuellen Differenzen der Dinge als unwesentlich, bis er etwa an so