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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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aus den in jedem gegebenen Moment wirklich geschehenden Käufen zu-sammensetzt. Das kann aber, zweitens, auch als Folge der Tatsacheanerkannt werden, dafs dasselbe Geldquantum, weil es nicht wie dieWaren konsumiert wird, eine unbegrenzte Zahl von Umsätzen ver-mittelt und die Geringfügigkeit seiner Gesamtsumme im Verhältnis zuder der Waren, die in jedem isolierten Augenblick besteht, durch dieSchnelligkeit seiner Zirkulation ausgleicht. An einigen Höhepunkten desGeldwesens wird es ganz unmittelbar anschaulich, eine wie verschwindendgeringe Rolle die Geldsubstanz in den durch sie vermittelten Wertaus-gleichen spielt: im Jahre 1890 hat die französische Bank auf Konto-korrent das 135 fache des tatsächlich darauf eingezahlten Geldes um-gesetzt (54 Milliarden auf 400 Millionen frcs.), ja, die deutsche Reichs-bank das 190fache. Innerhalb der funktionierenden Geldsummen, aufdie hin die Geldpreisbestimmung der Waren erfolgt, wird die Geldsummegegenüber dem, was durch ihr Funktionieren aus ihr wird, eine ver-schwindende Gröfse. Man kann deshalb zwar nicht von einem einzelnenAugenblick, wohl aber von einer bestimmt ausgedehnten Periode sagen,dafs das Totalquantum des in ihr umgesetzten Geldes der Totalsummeder in ihr verkäuflich gewesenen Objekte entspräche. Der Einzelnemacht doch auch seine Ausgaben, bewilligt insbesondere die Preise fürgröfsere Anschaffungen nicht von ihrem Verhältnis zu seinem momen-tanen Geldbestand aus, sondern im Verhältnis zu seinen Gesamtein-nahmen innerhalb einer längeren Periode. So mag in unserer Proportionder Geldbruch seine Gleichheit mit dem Warenbruch dadurch gewinnen,dafs sein Nenner nicht das substanziell vorhandene Geldquantum, sondernein durch die Zahl der Umsätze in einer gewissen Periode zu be-stimmendes Vielfaches desselben enthält. Von diesen Gesichtspunktenaus läfst sich die Antinomie zwischen den überhaupt vorhandenen undden aktuellen Waren als Gegenwerten des Geldes lösen und die Be-hauptung aufrecht halten, dafs zwischen der Gesamtsumme der Warenund der des Geldes in einem geschlossenen Wirtschaftskreise keineprinzipielle Disproportion herrschen kann so sehr man über dasrichtige Verhältnis zwischen einer einzelnen Ware und einem einzelnenPreise streiten mag, so viel Schwankungen und Disproportionalitätenentstehen mögen, wenn eine bestimmte Gröfse der fraglichen Brüchepsychologisch fest geworden und daneben durch objektive Verschiebungeneine andere richtig geworden ist, so sehr namentlich eine rascheSteigerung des Verkehrs einen zeitweiligen Mangel an Umsatzmittelnfühlbar machen mag. Die Metallimporte und -exporte, die aus einemMangel bezw. einem Überflufs von Geld in dem betreffenden Lande im