Druckschrift 
Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
Seite
114
Einzelbild herunterladen
 

114

keit oder Falschheit, Gleichheit oder Ungleichheit, wie ihre Gesamtheitenes haben; sie gewinnen es vielmehr erst dadurch, dafs die Mafse derGesamtquanten das Absolute bilden, nach dem das Einzelne, als das Re-lative, geschätzt wird; das Absolute selbst aber unterliegt nicht den Be-stimmungen der Vergleichbarkeit, die es seinerseits dem Relativenermöglicht.Diesem Typus könnte nun das Verhältnis zwischen demVerkaufsobjekt und seinem Geldpreis angehören. Vielleicht haben beideinhaltlich garnichts miteinander gemeinsam, sind qualitativ so ungleich,dafs sie quantitativ unvergleichbar sind. Allein da nun einmal allesVerkäufliche und alles Geld zusammen einen ökonomischen Kosmos aus-machen, so könnte der Preis einer Ware der »entsprechende« sein, wenner denjenigen Teil des wirksamen Gesamtgeldquantums darstellt, den dieWare von dem wirksamen Gesamtwarenquantum ausmacht. Nicht dergleiche »Wert« in der Ware und der bestimmten Geldsumme brauchtihre gegenseitige Verhältnismäfsigkeit zu begründen; der Geldpreisbraucht vielmehr keinen Wert überhaupt oder wenigstens keinen Wertin demselben Sinne zu enthalten, sondern nur denselben Bruch mit allemGeld überhaupt zu bilden, den die Ware mit allen Warenwerten über-haupt bildet. Auch der Verlauf der Individualwirtschaft zeigt, wie ab-hängig der Geldpreis einer Ware von dem Verhältnis dieser zu einerWarengesamtheit ist. Man sagt: wir bringen ein Geldopfer das unsan sich beschwerlich ist nur wenn wir einen angemessenen Gegenwerterhalten. Jede Ersparnis an jenem Opfer wird als ein positiver Gewinngerechnet. Allein sie ist ein Gewinn nur dadurch, dafs sie ermöglicht,dasselbe Opfer bei einer anderen Gelegenheit zu bringen. Wülste ichmit dem Geld sonst nichts anzufangen, so würde ich meinen ganzenGeldbesitz ohne weiteres für das eine Objekt, für das er gefordert würde,hingeben. Die Angemessenheit des Preises bedeutet also nur, dafs ich als Durchschnittswesen nachdem ich ihn bezahlt habe, noch so vielübrig behalten mufs, um die übrigen gleichfalls begehrten Dinge zukaufen. Der Aufwand für jeden einzelnen Gegenstand mufs sich danachrichten, dafs ich noch andere Gegenstände aufser ihm kaufen will. Wennjedermann seine privaten Ausgaben so reguliert, dafs sein Aufwand fürjede Warengattung seinem Gesamteinkommen proportioniert ist, so be-deutet dies, dafs sein Aufwand für das Einzelne sich zu seinem Aufwandfür das Ganze der Wirtschaft verhält, wie sich die Bedeutung des be-schafften Einzelobjekts zu der der zu beschaffenden Gesamtheit der ihmwünschbaren und zugängigen Objekte verhält. Und dieses Schema derIndividualwirtschaft ist offenbar nicht nur eine Analogie der Wirtschaftüberhaupt, sondern aus seiner durchgängigen Anwendung mufs die