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Werte nach gemessen wurden, psychologisch am ehesten zu allgemeinenWertmalsen auswachsen konnten. In scheinbar entschiedenem Gegensatzgegen das eben gewonnene Resultat, nach dem das Geld an und für sichkein Wert zu sein braucht, sehen wir hier, dafs zunächst gerade dasNotwendigste und Wertvollste dazu neigt, zum Geld zu werden. DasNotwendigste verstehe ich hier keineswegs im physiologischen Sinn;vielmehr kann z. B. das Schmuckbedürfnis die herrschende Rolle unterden empfundenen »Notwendigkeiten« spielen; wie wir denn auch tat-sächlich von Naturvölkern hören, dafs der Schmuck ihres Körpers, bezw.die dazu verwendeten Gegenstände, ihnen wertvoller ist als alle dieDinge, die wir uns als viel dringlicher notwendig vorstellen. Da dieNotwendigkeit der Dinge für uns immer nur ein Akzent ist, den unserGefühl ihren an sich ganz gleichberechtigten — richtiger: an sich über-haupt nicht »berechtigten« — Inhalten erteilt, und der ausschliefslich vonden Zwecken abhängt, die wir uns setzen — so ist von vornherein inkeiner Weise auszumachen, welches denn nun jene unmittelbar dring-lichen und den Geldcharakter anzunehmen geneigten Werte eigentlichsind; nur dafs sich der letztere ursprünglich an solche geknüpft hat, diedurch ihre empfundene Notwendigkeit eine besondere Häufigkeit des Aus-tausches gegen die Mannigfaltigkeit anderer Dinge aufwiesen, scheintmir eine unumgängliche Annahme. Weder als Tauschmittel noch alsWertmesser hätte es entstehen können, wenn es nicht seinem Stoffenach als unmittelbar wertvoll empfunden worden wäre.
Vergleichen wir damit den jetzigen Zustand, so ist unzweifelhaft,dafs das Geld für uns nicht mehr deshalb wertvoll ist, weil sein Stoffals unmittelbar notwendig, als ein unentbehrlicher Wert vorgestellt würde.Kein Mensch europäischer Kultur findet heute ein Geldstück wertvoll,weil sich ein Schmuckgegenstand daraus hersteilen liefse. Und schondeshalb kann der heutige Geldwert nicht auf seinen Metallwert zurück-gehen, weil das Edelmetall jetzt in viel zu grofsen Quantitäten vorhandenist, um blofs zu Schmuck- und technischen Zwecken noch lohnende Ver-wendung zu finden. Denkt man sich, wie es in der Konsequenz derMetallwerttheorie liegt, einen solchen Übergang als vollzogen, so würdedies eine derartige Plethora von Gegenständen aus Edelmetall erzeugen,dafs der Wert derselben auf ein Minimum sinken müfste. Dafs man dasGeld also auf seine mögliche Umsetzung in sonstige Metallobjekte wertet,ist gerade nur unter der Bedingung möglich, dafs diese Umsetzung nichtoder nur in ganz verschwindendem Mafse erfolge. So sehr also aucham Anfang der Entwicklung, d. h. bei einem sehr geringen Beständevon Edelmetallen, ihre Verwendung als Schmuck ihren Geldwert bestimmt