Druckschrift 
Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
Seite
136
Einzelbild herunterladen
 

136

es ist eine Welt für sich, die die Konkretheit der Objekte nach eigenen,in diesen selbst nicht gelegenen Normen gliedert und rangiert; die Dinge,nach ihrem ökonomischen Werte geordnet und verzweigt, bilden einenganz anderen Kosmos, als ihre naturgesetzliche, unmittelbare Realität estut. Wenn das Geld nun wirklich nichts wäre, als der Ausdruck fürden Wert der Dinge aufser ihm, so würde es sich zu diesen verhaltenwie die Idee, die sich Plato ja auch substanziell, als metaphysischesWesen vorstellt, zu der empirischen Wirklichkeit. Seine Bewegungen:Ausgleichungen, Häufungen, Abflüsse würden unmittelbar die Wert-verhältnisse der Dinge darstellen. Die Welt der Werte, die über derwirklichen Welt, scheinbar zusammenhangslos und doch unbedingt be-herrschend, schwebt, würde im Geld die »reine Form« ihrer Darstellunggefunden haben. Und wie Plato die Wirklichkeit, aus deren Beobachtungund Sublimierung die Ideen zustande gekommen sind, dann doch als eineblofse Abspiegelung eben dieser deutet, so erscheinen die wirtschaftlichenVerhältnisse, Abstufungen und Fluktuationen der konkreten Dinge alsDerivat ihres eigenen Derivates: nämlich als Vertretungen und Schattender Bedeutung, die ihren Geldäquivalenten zukommt. Keine andereGattung von Werten befindet sich in dieser Hinsicht in einer günstigerenLage, als es die ökonomischen Werte tun. Wenn sich der religiöse Wertin Priestern und Kirchen, der ethisch - soziale in den Verwaltern undsichtbaren Institutionen der Staatsgewalt, der Erkenntniswert in denNormen der Logik verkörpert, so steht keines von diesen losgelösterüber den konkreten wertvollen Gegenständen oder Vorgängen, keines istmehr der blofs abstrakte Träger des Wertes und nichts weiter, kaum ineinem geht die Gesamtheit der fraglichen Wertprovinz in so treuer Ab-spiegelung auf.

Dieser Charakter des reinen Symbols der ökonomischen Werte istdas Ideal, dem die Entwicklung des Geldes zustrebt, ohne ihn je völligzu erreichen. Es steht ursprünglich das muls unbedingt festgehaltenwerden in einer Reihe mit allen anderen Wertobjekten, und sein kon-kreter Substanzwert tritt in Abwägung gegen diese. Mit dem steigendenBedürfnis nach Tauschmitteln und Wertmafsstäben wird es immer mehraus einem Gliede von Wertgleichungen zu dem Ausdruck derselben, undinsofern von dem Werte seines Substrates immer unabhängiger. Dennochkann es einen Rest von substanziellem Werte nicht abstreifen, und zwarnicht eigentlich aus inneren, aus seinem Wesen folgenden Gründen,sondern wegen gewisser Unvollkommenheiten der ökonomischen Technik.Die eine betrifft das Geld als Tauschmittel. Der Ersatz des Eigenwertesdes Geldes durch eine blofs symbolische Bedeutung kann, wie wir