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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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mag, dals die Metallmasse nur noch verschwindenden Wert hat, so mulsdieses Minimum, damit der Gegenstand im höchsten Malse schmücke undästhetisch erfreue, immerhin noch ein edler Stoff sein. Sein eigentlicherMaterialwert steht hier freilich nicht mehr in Frage, sondern nur dies,dafs überhaupt nur der edelste Stoff der adäquate Träger für ein voll-endetes formales Verhältnis der Teile ist.

Es liegt übrigens auf der Hand, dafs jene Zurückführung des Material-wertes beim Geld auf ein Ergänzungs- und Festigungsprinzip gegenüberden nicht hinreichend zu sichernden blofsen Relationen nur eine Deutungvon Prozessen ist, die völlig unterhalb des Bewufstseins der Wirtschaf-tenden selbst Vorgehen. Die wirtschaftlichen Wechselwirkungen verlaufeneben überhaupt in so wunderbarer Zweckmäfsigkeit, in so fein organi-siertem Ineinandergreifen unzähliger Elemente, dafs man einen über-schauenden, nach überindividueller Weisheit schaltenden Geist als Lenkerderselben annehmen müfste, wenn man nicht auf die unbewufste Zweck-mäfsigkeit des menschlichen Gattungslebens zurückgreifen wollte. Be-wufstes Wollen und Voraussehen des Einzelnen würde nicht ausreichen,das wirtschaftliche Getriebe in derjenigen Harmonie zu halten, die esneben all seinen furchtbaren Dissonanzen und Unzulänglichkeiten auf-weist; es müssen vielmehr unbewufste Erfahrungen und Berechnungenangenommen werden, die sich im geschichtlichen Verlauf der Wirtschaftsummieren und denselben regulieren. Immerhin darf man nicht vergessen,dafs unbewufste Vorstellungen keine zulängliche Erklärung, sondern nurein Hilfsausdruck sind, der sich eigentlich auf einem Trugschlufs aufbaut.Gewisse Handlungen und Gedanken entspringen in uns auf Grund be-stimmter Vorstellungen, Schlufsreihen usw. Sobald nun aber jene ohnediese Antezedentien in uns auftauchen, so schliefsen wir, dafs eben die-selben, nur in unbewufster Form, dennoch dagewesen wären. Dies aberist zweifellos logisch unberechtigt. Die blofs negative Tatsache, dafs wiruns in diesem Falle keiner begründenden Vorstellungen bewufst sind,drehen wir unter der Hand in die positive um, dafs unbewufste Vor-stellungen vorhanden sind. Tatsächlich wissen wir über solche, einpsychisches Resultat ohne begründende Bewufstseinsvorgänge darbietendeVorgänge gar nichts Näheres, und die unbewufsten Vorstellungen, Er-fahrungen, Schlüsse sind nur der Ausdruck dafür, dafs jene so verlaufen,als ob bewufste Motive und Ideen ihnen zum Grunde lägen. Dem Er-klärungstrieb bleibt aber vorläufig nichts übrig, als diese aufzusuchen undals unbewufst wirkende Ursachen zu behandeln, so sehr sie einblofses Symbol des wirklichen Verlaufes sind. Bei dem jetzigen Standedes Wissens ist es unvermeidlich und deshalb legitim, die Wertbildungen,