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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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sie sind nicht wertvoll, sondern sie werden es denn dazu müssen siefortwährend aus sich heraus und in Wechselwirkung mit anderen treten;es sind nur Wirkungen ihrer, an die sich ein Wertgefühl knüpft.Denn selbst wenn eine ästhetische Stimmung die Edelmetalle jenen ob-jektiven Werten zurechnete, durch deren blofses Dasein, jenseits allesAnerkannt- und Genossenwerdens, die Welt an und für sich wertvollerund bedeutsamer wird so würden sie doch mit diesem Werte keines-falls in die Wirtschaft eintreten. Hier vielmehr bleibt aller Wert an ihreLeistung geheftet, und es ist eine blofs willkürliche und den wahrenSachverhalt verhüllende Ausdrucksweise, dafs sie einen Substanzwert be-säfsen, der von ihren Leistungen als Geld prinzipiell geschieden wäre;denn jener Substanzwert der Metalle ist gleichfalls Funktionswert, nurnicht der ihrer Funktion als Geld. Alle Werte des Edelmetalls viel-mehr bilden eine Reihe, die nichts anderes ist als eine Reihe von Funk-tionen. Dies verbirgt sich natürlich der Erkenntnis um so mehr, jeweniger lebhaft diese Funktionen in der Wirklichkeit sind. Die ganzenBedenken des Mittelalters gegen das Zinsennehmen gehen darauf zurück,dafs das Geld viel starrer, substanzieller, den Dingen geschlossenergegenüberstehend erschien und war, als in der Neuzeit, in der es viel-mehr dynamisch, fliefsend, sich anschmiegend wirkt und erscheint. DieAdoption der Aristotelischen Lehre: es sei unnatürlich, dafs Geld Geldgebäre, und die Verurteilung des Zinses als Diebstahls, da ja das zurück-erstattete Kapital schon so viel sei wie das entliehene; die Begründungeben desselben durch Alexander von Haies: dafs das Geld sich dochdurch den Gebrauch nicht abnütze und dafs es nicht, wie die Objekteeines Mietsvertrages, dem Gläubiger einen Nutzen abwerfe; die Lehredes hl. Thomas, dafs beim Geld, weil es von vornherein zum Weggebenbestimmt sei, Gebrauch und Verbrauch zusammenfielen und man deshalbjenen nicht, wie etwa bei einem Wohnhaus, gesondert verkaufen könneall diese Lehren zeigen, wie starr, den Fluktuationen des Lebens unver-bunden, wie wenig als Produktivkraft das Geld erschien. Die tatsäch-liche Geringfügigkeit seiner Wirkungen verdeckte seinen funktionellenCharakter überhaupt. Das ist aber dasselbe Grundgefühl dem Geldegegenüber, das sein Wesen an eine Metallsubstanz als solche gefesseltmeint. Auch diese Meinung stellt es, wie das Mittelalter, den Be-wegungen der wirtschaftlichen Objekte als ein ens per se gegenüber,statt es in sie einzubeziehen und zu erkennen, dafs es, welches auch seinTräger sei, als Geld nicht sowohl eine Funktion hat, als eine Funktion ist.

Den Gegenpol zu der Anschauungsweise des Mittelalters bildet dieKreditwirtschaft, in der die Anweisung den Gelddienst versieht. Für jene