Druckschrift 
Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
Seite
153
Einzelbild herunterladen
 

153

ist die Substanz des Geldes, aber nicht seine Wirkung die beherrschendeIdee wodurch, so wenig diese Wirkung tatsächlich auszuscheiden war,sie auf ihr Minimum herabgedrückt wurde, in der an das Metall ge-bundenen Geldvorstellung der neueren Zeit ist die wirkende Substanz derKernpunkt, die Kreditwirtschaft endlich tendiert auf Ausscheidung derSubstanz, nur deren Wirkung als das übrig lassend, worauf es ankommt.

Zu jener oberflächlichen Anschauung hat wohl das alte Schema mit-gewirkt, das die Erscheinungen durchgehends in Substanz und Akzidenzenteilen liefs. Gewifs war dies historisch von unermefslicher Bedeutung; dafsman jede Erscheinung in einen substanziellen Kern und relative, beweglicheAufserungsweisen und Eigenschaften zerlegte, war eine erste Orientierung,ein erster fester Leitfaden durch die rätselhafte Formlosigkeit der Dinge,ein Gestalten und Unterwerfen ihrer unter eine durchgehende, unseremGeiste adäquate Kategorie; die blofs sinnlichen Unterschiede des erstenAnblicks gewinnen so eine Organisation und Bestimmtheit des gegen-seitigen Verhältnisses. Es ist aber das Wesen solcher Formen, wie dersozialen Organisationen, unter dem Anschein und dem Anspruch ewigerDauer zu bestehen. Wie es deshalb bei der Vernichtung einer Gesell-schaftsverfassung zugunsten einer anderen scheint, als ob es mit allerOrdnung und Verfassung überhaupt vorbei wäre, so ruft die Umbildungder intellektuellen Ordnungen den gleichen Eindruck hervor: die objektiveFestigkeit, wie das subjektive Verständnis der Welt scheint zerbrochen,wenn eine Kategorie fällt, die bisher gleichsam zu dem Rückgrat desWeltbildes gehörte. Der Geldwert wird aber der Reduktion auf einenFunktionswert so wenig widerstehen können, wie das Licht, die Wärmeund das Leben ihren besonderen substanziellen Charakter bewahren undsich der Auflösung in Bewegungsarten entziehen konnten.

Ich beobachte nun zunächst gewisse Strukturverhältnisse des Wirt-schaftskreises.

In welchem Mafse es von diesen, und nicht von der Substanz desGeldes abhängt, inwieweit es wirklich Geld ist, d. h. als Geld wirkt,das mag aus einem negativen, an eine prinzipielle Überlegung anzu-knüpfenden Beispiel hervorgehen. Wir bemerken, dafs in einem Verhältniszwischen zwei Menschen die äufsere Form selten der genau angepafsteAusdruck seines inneren Intensitätsmafses ist; und zwar pflegt sich dieInadäquatheit beider so darzustellen, dafs sich die inneren Beziehungenkontinuierlich, die äufseren aber sprungweise entwickeln. Wenn alsoselbst zu einem gegebenen Zeitpunkt beide einander entsprechen, so be-harren die letzteren in ihrer einmal gewonnenen Form, während dieersteren sich steigern. Von einem gewissen Grade ab erfolgt nun ein