157
Materialismus den Geist mit seinen Äufserungen und seinem Werte derMaterie einordnet, so meinten jene Standpunkte das Wesen und die Be-wegungskraft des staatlich-wirtschaftlichen Lebens an die Geldsubstanzgebunden. Es besteht aber zwischen ihnen derselbe Unterschied wiezwischen der rohen und der feineren Form des Materialismus. Jenebehauptet, dafs die Vorstellung selbst etwas materielles wäre und dasGehirn Gedanken absondere, wie die Drüsen ihre Flüssigkeit, wie dieLeber die Galle. Diese: die Vorstellung sei nicht selbst materiell, aber“eine Bewegungsform des Materiellen, der Gedanke bestehe wie Licht,Wärme, Elektrizität, in einer besonderen Art von Schwingungen körper-licher Teile. Diesem Unterschiede der intellektuellen Standpunkte ent-spricht es, wenn einerseits der Fiskalismus das Interesse der Regierungdarein verlegt, möglichst viel bares Geld zur unmittelbaren Verwendungdes Fürsten oder für die Staatszwecke herauszuschlagen, andrerseits derMerkantilismus zwar auch auf das bare Geld einen Hauptwert legt, abernicht um es substanziell herauszuziehen, sondern um die wirtschaftlichenBewegungen des Landes funktionell zu beleben. Innerhalb diesermaterialistischen Richtungen der Geldpolitik selbst, die noch ganz tiefin der Vorstellung steckten, dafs die Geldsubstanz der Wert an und fürsich wäre, — macht sich also doch schon die Wendung von der grobäufserlichen zu der funktionellen Bedeutung dieser Substanz geltend.Dem entspricht die politische Verfassung der fraglichen Perioden. DerFürst da, wo die mittelalterliche fiskalische Verfassung herrschte, ineinem blofs äufserlichen Verhältnis zu seinem Lande, oft in einem völligunorganischen, durch Erheiratung oder Eroberung hergestellten, so dafses sich in der Tendenz, nur möglichst viel Geld aus dem Lande zuziehen, völlig adäquat ausdrückte — wovon der häufige Verkauf ganzerTerritorien gegen Geld der konsequente Abschlufs war; indem das starre,blofs substanzielle Geldinteresse Herrscher und Beherrschte verband,zeigte es, wie unverbunden sie waren. Für dieses soziologische Ver-hältnis zwischen den beiden Parteien ist die im Mittelalter so häufigeMünzpolitik der Herrscher, die in einer fortwährenden Verschlechterungder Münze bestand, die nächstliegende Technik; nur bei einem völligunorganischen Zusammen sind derartige Politiken möglich, die auf derSeite des einen allen Nutzen, auf der der anderen allen Schaden lassen.Die Freude am baren Gelde, die den Orientalen angeboren scheint, hatman auf den Fiskalismus ihrer Fürsten zurückgeführt, die das Münz-regal als Steuerquelle benutzen, ohne sich um die Folgen der Valuta-verschlechterung zu sorgen: das notwendige Gegenstück dazu sei dieLeidenschaft des Untertanen für die Aufhäufung von barem Gold und