Druckschrift 
Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
Seite
170
Einzelbild herunterladen
 

170

hängen, auch über die Rechte gegenüber der Allgemeinheit. In welcherRichtung die allgemeine Entwicklung des Geldes damit festgelegt ist,zeigt ein Blick auf die Rolle des Geldkapitals im alten Rom . Wie das-selbe auf unproduktivem Wege erworben war durch Kriege, Tribute,Wechselgeschäfte so war es auch für den Borger nicht zur Pro-duktion, sondern nur zur Konsumtion bestimmt. Dabei konnten auchdie Zinsen ersichtlich nicht als die natürlichen Früchte des Kapitalsgelten, und daher das unklare und unorganische Verhältnis zwischenbeiden, das sich in den weit in das Christentum hineinerstreckten Zins-schwierigkeiten zeigte und erst durch Begriff und Tatsache des produk-tiven Kapitals sachlich reguliert und organisiert wurde. Jenes ist alsoder äufserste Gegensatz zu dem jetzigen Zustand, in dem das Kapitalseine Bedeutung nicht mehr an dem, was es an und für sich ist, besitzt,sondern an dem, was es leistet: seine Entwicklung hat es aus einemstarren, der Produktion innerlich fremden Elemente in lebendige Funktionin und an derselben übergeführt. Sehen wir nun noch einmal auf dieGarantierung des Geldes als seinen Lebensnerv zurück, so verliert sienatürlich in dem Mafse an Bündigkeit, in dem das objektive, die Ge-samtheit vertretende Gebilde nur beschränkte Abteilungen derselben oderihre Interessen nur unvollständig repräsentiert. So ist z. B. auch einePrivatbank ein relativ objektives überpersönliches Wesen, das sichzwischen den Verkehr individueller Interessenten schiebt. Dieser sozio-logische Charakter ihrer befähigt sie allerdings zur Ausgabe von Geld,allein sobald nicht staatliche Aufsicht die Garantie auf das wirklich all-gemeine Zentralgebilde überträgt, wird die blofse Partialität des in ihrobjektivierten Bezirkes sich in der Unvollkommenheit des »Geld«Charaktersihrer Noten zeigen. Die Mifsstände der nordamerikanischen Papiergeld-wirtschaft entstammten zum Teil der Meinung, die Münze sei zwarStaatssache, die Herstellung von Papiergeld aber komme den Privat-banken zu und der Staat habe sich nicht hineinzumischen. Man übersahdabei die blofse Relativität des Unterschiedes zwischen Metall- undPapiergeld, dafs beide, insofern sie eben Geld sind, nur in einer Sub-stanziierung der Tauschfunktion durch gemeinsames Verhältnis der Inter-essenten zu einem objektiven Organe bestehen, und dafs das Geld seineFunktion nur insoweit üben, d. h. nur insoweit die unmittelbaren Wertevertreten kann, als jenes emittierende Organ wirklich den Interessenkreisin sich vertritt oder zum Ausdruck bringt. Deshalb suchen die Münzenlokaler Machthaber auch manchmal wenigstens den Anschein der Zu-gehörigkeit zu einem umfassenden Gebilde zu gewinnen. Noch Jahr-hunderte nach dem Tode Philipps und Alexanders wurden an den ver-