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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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Er wird also ein Geld verlangen, das an sich wertvoll ist, d. h. überallakzeptiert wird. Die Steigerung des Substanzwertes des Geldes bedeutetdie Vergrölserung des Kreises von Subjekten, in dem seine allgemeineAnerkennung gesichert ist, während in einem engeren Kreise seineWeiterverwertbarkeit sich auf besondere soziale, rechtliche, personaleGarantien und Verknüpfungen hin ergeben kann. Setzen wir voraus,dafs die Weiterverwertbarkeit des Geldes das Motiv seiner Annahme ist,so bildet sein Substanzwert gleichsam das Pfand dafür, das auf Nullsinken kann, wenn die Verwertbarkeit durch andere Mittel gesichertist, und um so höher steigen mufs, je gröfser das Risiko jener ist. Nunaber bewirkt die wachsende wirtschaftliche Kultur, dafs der sehr ver-gröfserte, schliefslich internationale Kreis in dieser Hinsicht die Zügeerhält, die ursprünglich nur geschlossene Gruppen charakterisierten: diewirtschaftlichen und rechtlichen Bedingungen überwinden die räumlicheTrennung immer gründlicher und wirken ebenso sicher, exakt und be-rechenbar in die Ferne, wie früher nur in die Nähe. In dem Mafse, indem das geschieht, kann jenes Pfand, d. h. der Eigenwert des Geldes,heruntergehen. Die selbst Anhängern des Bimetallismus geläufige Vor-stellung, dafs derselbe nur bei internationaler Einführung möglich sei,liegt innerhalb dieser Erwägung. Wie weit wir auch von der voll-ständigen Enge und Zuverlässigkeit des Zusammenhanges sowohlinnerhalb der einzelnen Nationen wie der Nationen untereinandernoch entfernt sein mögen, so geht doch die Entwicklung zweifellos aufihn zu: die durch Gesetze, Usancen und Interessen immer wachsendeVerbindung und Vereinheitlichung immer gröfserer Kreise ist die Grund-lage dafür, dafs der Substanzwert des Geldes immer geringer werden undimmer vollständiger durch seinen Funktionswert ersetzt werden kann.

Bezeichnenderweise führt jene räumlich weite Erstreckung derHandelsbeziehungen, die, wie oben erwähnt, die Substanzwertigkeit desTauschmittels steigerte, in der modernen Kultur gerade auf völligeEliminierung eben derselben: auf die interlokale und internationale Aus-gleichung durch Giro und durch Wechselversand. Auch innerhalbeinzelner Interessenprovinzen des Geldes wird die Entwicklung von dieserForm beherrscht. Die Steuerleistung z. B. wird jetzt überwiegend nachdem Einkommen, aber nicht nach dem Besitz gefordert. In Preufsen istein reicher Bankier, der die letzten Jahre mit Geschäftsverlust gearbeitethat, steuerfrei bis auf die geringe und auch erst kürzlich eingeführteVermögenssteuer. Also nicht einmal der Geldbesitz, sondern erst dasErträgnis seines Arbeitens, das Geld aus dem Gelde, entscheidet überdie Pflichten, und, insoweit die Wahlrechte von der Steuerleistung ab-