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ist eben ursprünglich immer Privatbesitz und darum können die öffent-lichen Interessen und Kräfte nie absolut Herr darüber werden. Mankann sagen, dafs das Geld immer mehr eine öffentliche Einrichtung inimmer strengerem Sinne des Wortes wird: es besteht mehr und mehraus dem, was die öffentliche Macht, die öffentlichen Institutionen, dievon der Gesamtheit getragenen Verkehrsarten und Garantien darausmachen und wozu sie es legitimieren. Es ist deshalb bezeichnend, dafsin früheren Epochen das Geld gleichsam noch nicht allein, auf seinerabstrakten Funktion, stehen kann; das Geldgeschäft lehnt sich entwederan spezifische Betriebe oder an die technische Herstellung der Münzeoder an den Handel mit Edelmetallen an. So waren es in Wien Anfangsdes 13. Jahrhunderts die flämischen Tuchfärber, die regelmäfsige Wechsel-geschäfte besorgten, wie in England und teilweise auch in Deutschland die Goldschmiede. Der Münzwechsel, der im Mittelalter überhaupt erstden Geldverkehr trug (da in jedem Orte prinzipiell nur in seiner Lokal-münze gezahlt werden durfte), war ursprünglich das Privileg der Münzeselbst, der »Münzer Hausgenossen«. Erst als später die Städte dieMünze erwarben, wurde das Wechselgeschäft und der Edelmetall-Handelvon der Münze getrennt. Die Funktion der Münze ist also zunächst,gleichsam durch Personalunion, an ihren Stoff gebunden; sobald dieöffentliche Gewalt für sie garantiert, wird sie von den sonst mit ihrliierten Beziehungen unabhängig, der Wechsel und der Handel mit ihremMaterial steht jedem frei, und zwar gerade in dem Mafse, in dem ihreFunktion als Geld überindividuell gesicherter wird. Die wachsende Ent-personalisierung des Geldes, sein immer engeres Verhältnis zu demzentralisierten gröfsten Sozialkreise steht in genauer und wirksamer Be-ziehung zu der Akzentuierung seiner Funktionen in ihrer Selbständigkeitgegenüber dem Metallwert. Es ist die Sicherheit des Geldes, auf dersein Wert ruht und als deren Träger die politische Zentralgewalt all-mählich durch die unmittelbare Bedeutung des Metalls, sie verdrängend,hindurchwächst. Hier liegt eine Analogie zu einer wenig beachtetenNüance des Wertempfindens vor. Sobald der Wert eines Objektes daraufberuht, dafs es uns ein anderes zugängig macht, so ist sein Wert durchdie beiden Koeffizienten bestimmt: den inhaltlichen Wert dessen, was esuns vermittelt, und die Sicherheit, mit der ihm diese Vermittlung ge-lingt ; die Erniedrigung des einen Koeffizienten kann, bis zu einer gewissenGrenze, den Gesamtwert ungeändert lassen, wenn ihr eine Erhöhung desandern entspricht. So ist die Bedeutung einer Erkenntnis für uns gleichdem Produkt aus ihrer Sicherheit und der Wichtigkeit ihres Inhaltes.In den Naturwissenschaften pflegt der erstere, in den Geisteswissenschaften