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der letztere Koeffizient zu überwiegen, wodurch dann prinzipiell eineGleichheit ihres Gesamtwertes möglich ist; nur wenn man, wie Aristo-teles , an der Sicherheit des Wissens nicht zweifelt, kann man seinenWert ausschliefslich von dem seines Objekts abhängen lassen. So istder Wert eines Lotterieloses ein Produkt aus der Wahrscheinlichkeit,dafs es gezogen wird, und der Höhe des eventuellen Gewinnes, so derWert jedes beliebigen Handelns gleich dem Produkt aus der Wahrschein-lichkeit, dafs es seinen Zweck erreicht und der Wichtigkeit dieses Zweckes,so der Wert eines Rentenpapiers zusammengesetzt aus der Sicherheitfür das Kapital und der Höhe der Verzinsung. Nun verhält sich dasGeld zw,ar nicht genau ebenso, denn seiner steigenden Sicherheit ent-spricht keine Wertminderung der Objekte, deren Erlangung es sichert;aber die Analogie gilt doch so weit, dafs mit der steigenden Sicherungseiner Verwertbarkeit sein anderer Wertkoeffizient, der innere Metall-wert, unbestimmt weit sinken kann, ohne seinen Gesamtwert zu alterieren.Andrerseits ergibt sich unmittelbar als Ursache wie als Wirkung dersoziologischen Stellung des Geldes, dafs es die Beziehungen zwischen derZentralgewalt der Gruppe und ihren einzelnen Elementen zahlreicher,stärker und enger machen mufs, weil eben jetzt die Beziehungen dieserElemente untereinander gleichsam durch jenes hindurchgeleitet werden.So haben schon die Karolinger ein deutliches Bestreben, den Natural-oder Viehtausch durch Geldwirtschaft zu verdrängen. Sie verordnen oft,die Münzen dürften nicht zurückgewiesen werden und bestrafen ihreNichtannahme hart. Das Münzrecht war ausschliefslich Königsrecht, undso bedeutete das Durchsetzen des Verkehrs in Münze die Erstreckungder königlichen Macht dahin, wo früher rein privater, persönlicher Ver-kehrsmodus bestand. Es ist ganz in dem gleichen Sinne, wenn dierömischen Gold- und Silbermünzen seit Augustus ausschliefslich im Namenund Auftrag des Kaisers geprägt wurden, wogegen das Recht, Scheide-münze auszugeben, einerseits dem Senat, andrerseits den Kommunal-verbänden verblieb; und es verallgemeinert diesen Zusammenhang nur,dafs grofse Fürsten so oft auch gewaltige Münzsysteme geschaffen haben:Darius I., Alexander d. Gr., Augustus, Diokletian bis zu Napoleon I .Die ganze Technik, durch die in naturalwirtschaftlichen Zeiten eine grofsesoziale Macht bestehen kann, weist sie darauf hin, sich selbst zu genügen,sich — wie es z. B. von den Grofsgrundherrschaften seit den Merovingerngilt — zum Staat im Staate zu machen; wogegen entsprechende Macht-gebilde in der Geldwirtschaft gerade im Anschlufs an die Staatsorgani-sation erwachsen sind und sich erhalten haben. Der moderne zentra-listische Staat wurde deshalb auch an dem ungeheuren Aufschwung der