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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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2- bis 16 fachen Metallwert dafür in Gold bezahlt haben. Die ärg-sten Erscheinungen dieser Art bietet der bis vor kurzem herrschende neuerdings, wie man sagt, in der Reform begriffene Münzzustandin der Türkei . Dort existiert weder Nickel- noch Kupfergeld, sondernals Kleingeld nur jammervolle Silberlegierungen: Altiliks, Beschliks undMetalliques, die alle in einer für den Verkehr völlig unzureichendenMasse vorhanden sind. Die Folge davon ist, dafs diese Münzen, derennominellen Wert die Regierung selbst 1880 um ungefähr die Hälfteherabsetzte, diesen fast unverändert behalten haben und gegen Gold garkein nennenswertes Disagio machen, ja die Metalliques, die für dasschlechteste in der ganzen Welt kursierende Geldzeichen gehalten werden,stehen zeitweise über pari gegen Gold! Gerade dies ist äufserst be-zeichnend: die geringste Münze ist eben für den Verkehr die wichtigsteund wird ausschliefslich nach dieser Wichtigkeit gewertet weshalbdenn auch allenthalben die kleinen Münzen die ersten Objekte derMünzverschlechterung sind. Der Preis der Metalliques enthält das Para-doxon, dafs ein Geld um so wertvoller sein kann, je wertloser es istweil gerade seine substanzielle Wertlosigkeit es zu gewissen funktionellenDiensten geschickt macht, die seinen Wert nun fast unbegrenzt hebenkönnen.

Das gesteigerte Bewufstsein und die gesteigerte Tatsächlichkeit derFunktionsbedeutung des Geldes ermöglichte auch den Einwand gegendie Silberwährung: was man vom Geld fordere, sei zuerst und unbedingtBequemlichkeit und Handlichkeit. Man könne zwar ein Nahrungsmittelbeibehalten, wenn sein Gebrauch auch viele Unbequemlichkeiten mit sichbringt, sobald es nur nahrhaft und wohlschmeckend sei, auch ein unbe-quemes Kleidungsstück, weil es schön oder warm ist. Aber einunbequemes Geld sei wie ein ungeniefsbares Nahrungsmittel oder einuntragbares Kleidungsstück. Denn der oberste Zweck des Geldes seidie Bequemlichkeit des Güteraustausches. Der Unterschied gegen diehier verglichenen Güter beruht eben darauf, dafs das Geld wenigerNebenqualitäten neben seiner Hauptqualität hat und haben darf, alsandere Güter. Da es das absolute Abstraktum über allen konkretenGütern ist, so wird es von jeder Qualität, die aufserhalb seiner reinenBestimmung liegt, ungebührlich belastet und abgelenkt.

Dafs die Steigerung oder Herabsetzung einer Funktion des Geldesseinen Wert unabhängig von seinem Substanzwert erhöhen oder er-niedrigen könne gilt selbst für denjenigen Schätzungsgrund seiner,der besonders eng mit seinem Substanz wert verbunden scheint: für seineWertbeständigkeit. Die römischen Kaiser besafsen, wie schon erwähnt,