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um dessentwillen die Untertanen in den Münztausch, d. h. in die Auf-opferung seines Metallwertes willigen mufsten. Allein dies ist nur dasganz allgemeine Phänomen, als dessen spezifische Zuspitzung es erscheint,dafs das Geld, das durch seine Form dem Verkehr im allgemeinen besserdient, als ein anderes, nicht nur bei gleichem Substanzgehalt diesemüberlegen ist; sondern es kann dadurch seine eigene Substanzbedeutungso weit wie in dem folgenden Fall überflügeln. Als im Jahre 1621 durchdie niederdeutsche Münzverschlechterung der Wert des Reichstalers auf48—54 Schillinge gestiegen war, erliefsen die Obrigkeiten von Holstein ,Pommern, Lübeck, Hamburg und anderen, ein gemeinsames Münzedikt,wonach der Taler von einem gewissen Zeitpunkt an nur 40 Schillingegelten sollte. Obgleich dies allgemein als richtig und heilsam beurteiltund akzeptiert wurde, galt der Taler doch weiterhin wegen derleichteren Verteilung und Rechnung noch lange 48 Schillinge.Es ist auf einer viel höheren und komplizierten Stufe dasselbe, wenn dieBörsen jetzt bei Rentenpapieren, die in gröfseren und kleineren Ab-schnitten ausgegeben sind, die letzteren etwas höher zu notieren pflegen,als die ersteren, weil jene mehr gesucht sind und dem kleineren Verkehrbesser dienen — obgleich der Wert pro rata der genau gleiche ist. Jaim Jahre 1749 erklärte ein Komitee für Münzzwecke in den amerikanischenKolonien: in Ländern mit unausgebildeter Wirtschaft, die mehr kon-sumieren als produzieren, müsse das Geld immer schlechter sein als dasihrer reicheren Nachbarn, weil es sonst unvermeidlich diesen zuflösse.Dieser Fall ist also die Steigerung und Aufgipfelung der vorher-erwähnten Tatsache, dafs die Eignung einer bestimmten Geldform zuBerechnungen und Ausgleichungen dieser Form einen Wert verschafft,der absichtlich weit über den sachlich gültigen gehoben wird. Diefunktionelle Zweckmäfsigkeit des Geldes ist hier über seinen Substanz-wert bis zur Umkehrung seiner Bedeutung hinausgewachsen. Hierhingehören, als Beweise für die Überwucherung des Metallwertes durch denFunktionswert, alle die Fälle, in denen das völlig minderwertige Klein-geld dem Edelmetall gegenüber einen manchmal unglaublichen Preis be-hauptet hat. Das kommt z. B. in Goldgräberdistrikten vor, wo diegewonnenen Reichtümer einen lebhaften Verkehr erzeugen, ohne dafsman in ihnen doch das Tauschmittel für die kleineren Bedürfnisse desTages hätte. So war unter den Goldgräbern in Brasilien am Ende des17. Jahrhunderts eine Not um kleine Münze ausgebrochen, die der Königvon Portugal benutzte, um Silbergeld gegen ein ungeheures Agio in Goldhinüberzuschaffen. Später ist es auch in Kalifornien wie in Australien vorgekommen, dafs die Goldgräber, um nur Kleingeld zu haben, seinenSimmel, Philosophie des Geldes. 2. Aufl. 12