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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
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Auch haben nun endlich gewisse Leistungen des Geldes von vorn-herein einen Sinn, der dem Wesen einer Substanz heterogen ist. Esgehört zu den Funktionen des Geldes, die ökonomische Bedeutung derDinge in der ihm eigenen Sprache nicht nur überhaupt darzustellen,sondern zu kondensieren. In der Einheit der Geldsumme, mit der einGegenstand bezahlt wird, verdichten sich ebenso die Werte aller, viel-leicht durch einen langen Zeitraum hin erstreckten Momente seiner Nutz-nielsung, wie die Sonderwerte seiner räumlich auseinanderliegenden Teile,wie die Werte aller vorbereitenden und in ihm mündenden Kräfte undSubstanzen. Ein Geldpreis, aus wie vielen Münzeinheiten er auch be-stehe, wirkt doch als eine Einheit; dank der völligen Ununterscheidbar-keit seiner Teile, die seinen Sinn ausschliefslich in seiner quantitativenHöhe bestehen läfst, bilden diese Teile eine so völlige Einheit, wie sieauf praktischem Gebiet sonst kaum besteht. Wenn man selbst voneinem hochwertigen und vielverzweigten Objekt, etwa einem Landgut,sagt, es gelte eine halbe Million Mark, so wird durch diese Summe, aufwie viele einzelne Voraussetzungen und Erwägungen sie sich auchfundamentiere, doch der Wert des Gutes in einen ganz einheitlichenBegriff zusammengezogen, nicht anders, als wenn man eine auch in sicheinheitliche Sache durch einen in sich einheitlichen Münzbegriff schätzt,also etwa: eine Arbeitsstunde gelte eine Mark. Man könnte dies

höchstens mit der Einheit des Begriffes vergleichen, der das Wesentlicheeiner Anzahl individueller Gestaltungen zusammenschliefst; wenn ich z. B.den Allgemeinbegriff Baum bilde, so liegen die Merkmale desselben, dieich aus ihren sehr verschiedenartigen Verwirklichungen an den einzelnenBäumen heraus abstrahiere, nicht mehr nebeneinander, sondern durch-dringen sich zu einer einheitlichen Wesenheit. Wie es der tiefere Sinndes Begriffes ist, nicht ein blofses Zusammen von Merkmalen zu sein,sondern die ideale Einheit, in der diese Merkmale trotz aller ihrer Ver-schiedenheiten sich begegnen, und in die sie sich einschmelzen soläfst der Geldpreis alle vielfache und extensiv-ökonomische Bedeutungdes Objekts in eine gleichsam unausgedehnte Einheit konvergieren. Esscheint zwar, als ob jener Charakter reiner Quantität dies gerade ver-hindern müfste: niemals könne eine Mark mit einer zweiten eine solcheEinheit bilden wie die Elemente eines organischen Körpers oder einersozialen Vereinigung, die Verschlingung ineinander fehle ihnen, sie bliebenewig an die Form des Nebeneinander gebunden. Allein dies gilt tat-sächlich nicht für den Fall, dafs die Geldsumme den Wert einesObjektes ausdrückt. Eine halbe Million Mark sind an und für sichfreilich ein blofs additionales Konglomerat zusammenhangsloser Ein-