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einem Allgemeinen, das doch volle und gediegene Wirklichkeit besitzt;denn die Gesellschaft ist das Allgemeine, das nicht abstrakt ist. In dieserRichtung liegt nun auch jene Wertung der Funktion in ihrer Sonderungvom Inhalte. Die Funktion ist das Allgemeine gegenüber dem speziellenZweck, dem sie dient: das religiöse Gefühl ist das Allgemeine gegenüberseinem Glaubensinhalte, das Erkennen das Allgemeine gegenüber seineneinzelnen Objekten, jede Kraft überhaupt das Allgemeine gegenüber denspeziellen Aufgaben, zu deren Mannigfaltigkeit sie sich als die immergleiche verhält — gleichsam eine Form und Fassung, die die verschieden-artigsten Stoffe aufnimmt. An dieser Entwicklungstendenz scheint dasGeld teilzunehmen, wenn das daran geknüpfte Wertgefühl sich von seinemStoffe unabhängig macht und auf seine Funktion übergeht, die ein All-gemeines und doch kein Abstraktes ist. Die Schätzung, welche anfangsden in bestimmter Weise funktionierenden Stoff als Einheit betraf,differenziert sich, und während das Edelmetall als solches immer weitergeschätzt wird, gewinnt nun auch seine Funktion, die jedem ihrer stoff-lichen Träger gegenüber ein Uberindividuelles ist, eine besondere undselbständige Wertung. Dafs das Geld Tausche vermittelt und Wertemifst, ist gleichsam die Form, in der es für uns existiert; indem dasMetall diese Form annimmt, wird es Geld — wie Vorstellungen überdas Überirdische zur Religion werden, indem die religiöse Gefühls-funktion sie aufnimmt, und wie der Marmorblock zum Kunstwerk wird,wenn die künstlerische Produktivität ihm die Form verleiht, die nichtsanderes als eben diese Funktion in räumlichem Festgewordensein ist.Die Verfeinerung des Wertempfindens löst dies ursprüngliche Ineinanderund lälst die Form oder Funktion sich zu einem selbständigen Wertefür uns entwickeln. Gewifs mufs auch dieser Wert des Geldes einenTräger haben; aber das Entscheidende ist, dafs er nicht mehr aus seinemTräger quillt, sondern umgekehrt der Träger das ganz Sekundäre ist,auf dessen an sich seiende Beschaffenheit es nur noch aus technischen,,jenseits des Wertempfindens liegenden Gründen ankommt.