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bestimmt handeln, so besteht zwischen der psychischen Verfassung, dieals Ursache des Handelns auftritt, und dem Resultat, in das sie ausläuft,keinerlei inhaltliche Gleichheit. Der Zustand, dessen Energien uns inBewegung setzen, hat insofern zu der Handlung und ihrem Erfolge sowenig qualitative Beziehungen, wie der Wind zu dem Fall der Frucht,die er vom Baum schüttelt. Wo dagegen die Vorstellung des Erfolgesals Veranlassung gefühlt wird, da decken sich Ursache und Wirkungihrem begrifflichen oder anschaubaren Inhalte nach. Die Ursache derAktion ist indes auch in diesem Falle die reale — wenn auch wissen-schaftlich nicht näher formulierbare — Kraft der Vorstellung bezw. ihresphysischen Korrelats, die von ihrem Gedankeninhalt durchaus zu trennenist. Denn dieser Inhalt, der ideelle Sachgehalt des Handelns oder Ge-schehens, ist an und für sich absolut kraftlos, er hat nur eine begriff-liche Gültigkeit und kann nur insoweit in der Wirklichkeit sein, als erder Inhalt einer realen Energie wird: sowie die Gerechtigkeit oder dieSittlichkeit als Ideen niemals eine Wirksamkeit in der Geschichte üben,das vielmehr erst können, w 7 enn sie von konkreten Mächten als Inhaltdes Kraftmafses derselben aufgenommen werden. Der Kompetenzstreitzwischen Kausalität und Teleologie innerhalb unseres Handelns schlichtetsich also so: indem der Erfolg, seinem Inhalte nach, in der Form psy-chischer Wirksamkeit da ist, bevor er sich in die der objektiven Sicht-barkeit kleidet, wird der Strenge der Kausalverbindung nicht der ge-ringste Abbruch getan; denn für diese kommen die Inhalte nur, wennsie Energien geworden sind, in Betracht, und insofern sind Ursache undErfolg durchaus geschieden, w r ährend die Identität, die die ideellen In-halte beider zeigen, wiederum mit der realen Verursachung überhauptnichts zu tun hat.
Von tieferer Bedeutung für die jetzige Aufgabe ist die andereDifferenz, durch die sich das triebhafte und das vom Zweck geleiteteWollen gegeneinander charakterisieren. Sobald unser Handeln nur kausal(im engeren Sinne) bestimmt wird, ist der ganze Vorgang mit der Um-setzung der drängenden Energien in subjektive Bewegung beendet, dasGefühl der Spannung, des Getriebenwerdens ist gehoben, sobald dieAktion als Folge des Triebes eingetreten ist. Der Trieb lebt sich mitder ihm natürlichen Fortsetzung in Bewegung vollständig aus; so dafsder gesamte Vorgang innerhalb des Subjekts beschlossen bleibt. Ganzanders verläuft der Prozefs, der durch das Bewufstsein des Zweckes ge-leitet ist. Dieser geht zunächst auf einen bestimmten objektiven Erfolgdes Tuns und erreicht seinen Abschlufs durch die Reaktion dieses aufdas Subjekt bezw. des Subjekts auf ihn. Die prinzipielle Bedeutung des