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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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Zweckhandelns liegt also in der Wechselwirkung, die es zwischen demSubjekt und dem Objekt stiftet. Indem schon die blolse Tatsacheunserer Existenz uns in diese Wechselwirkung verwebt, hebt das zweck-bestimmte Handeln sie in die Innerlichkeit des Geistes. Durch ebendies stellt sich unser Verhältnis zur Welt gleichsam als eine Kurve dar,die vom Subjekt aus auf das Objekt geht, es in sich einbezieht undwieder zum Subjekt zurückkehrt. Und während freilich jede zufälligeund mechanische Berührung mit den Dingen äufserlich dasselbe Schemazeigt, wird es als Zweckhandeln von der Einheit des Bewufstseins durch-strömt und zusammengehalten. Als Naturwesen betrachtet sind wir infortwährender Wechselwirkung mit dem natürlichen Dasein um unsherum, aber in völliger Koordination mit diesem; erst im Zweckhandelndifferenziert sich das Ich als Persönlichkeit von den Naturelementenaufserhalb (und innerhalb) seiner. Oder, anders angesehen: erst auf derGrundlage solcher Scheidung eines persönlich wollenden Geistes undder rein kausal betrachteten Natur ist jene Einheit höherer Stufezwischen beiden möglich, die sich in der Zweckkurve ausdrückt. Diesesprinzipielle Verhältnis wiederholt sich, mit gewissen Abschwächungen,an dem Unterschied, den man zwischen der Arbeit des Kulturmenschenund des Naturmenschen zu finden meint: jene gehe regelmäfsig undmethodisch, diese unregelmälsig und stofsweise vor sich; das heilst, dieerstere fordere eine willenshafte Überwindung der Widerstände, dieunser Organismus der Arbeit entgegensetze, während die andere nurdie Auslösung der in den psjmhischen Zentren angehäuften Nervenkraft sei.

Das ist nun nicht so gemeint, als ob der eigentliche Zweck jedesZweckhandelns im handelnden Subjekt selbst liegen müfste, als ob derGrund, um dessentwillen irgend ein Objektives verwirklicht wird, immerin dem Gefühle bestünde, das es rückwirkend in uns erregt. Wenn diesin den eigentlich egoistischen Handlungen stattfindet, stehen danebendoch unzählige, in denen jene Inhaltsgleichheit zwischen Motiv undErfolg nur den Erfolg im Sinne des Objekts, des aulser-subjektiven Ge-schehens betrifft; unzählige Male nimmt die innere Energie, aus derunser Handeln hervorgeht, ihrer Bewufstseinsseite nach nur ihren sach-lichen Erfolg in sich auf und läfst die auf uns selbst zurückkehrendeWeiterwirkung desselben ganz aufserhalb des teleologischen Prozesses.Zwar, wenn nicht der Erfolg unseres Tuns schlielslich ein Gefühl in unsauslöste, so würde von seiner Vorstellung nicht die bewegende Kraftausgehen, die ihn zu verwirklichen strebt. Allein dieses unentbehrlicheEndglied des Handelns ist darum noch nicht sein Endzweck; unserteleologisch bestimmtes Wollen macht vielmehr sehr oft an seinem sach-