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liehen Erfolge halt und fragt bewufst nicht über diesen hinaus. Suchenwir also die Formel des Zweckprozesses in seinem Gegensatz zu demkausal-triebhaften — wobei dahingestellt bleibt, ob dieser Gegensatzetwa nur ein solcher der Betrachtungsweise, sozusagen ein methodolo-gischer ist — so ist es die, dafs das Zweckhandeln die bewufste Ver-flechtung unserer subjektiven Energien mit einem objektiven Dasein be-deutet, und dafs diese Verflechtung in einem doppelten Ausgreifen derWirklichkeit in das Subjekt hinein besteht: einmal in der Antizipation ihresInhaltes in der Form der subjektiven Absicht und zweitens in der Rückwirk-samkeit ihrer Realisierung in der Form eines subjektiven Gefühls. Ausdiesen Bestimmungen entwickelt sich die Rolle des Zweckes im Lebenssystem.
Es geht zunächst daraus hervor, dafs sogenannte unmittelbareZwecke einen Widerspruch gegen den Begriff des Zweckes selbst be-deuten. Wenn der Zweck eine Modifikation innerhalb des objektivenSeins bedeutet, so kann dieselbe doch nur durch ein Tun realisiertwerden, welches die innere Zwecksetzung mit dem ihr äufseren Daseinvermittelt; unser Handeln ist die Brücke, über welche der Zweckinhaltaus seiner psychischen Form in die Wirklichkeitsform übergeht. DerZweck ist seinem Wesen nach an die Tatsache des Mittels gebunden.Hierdurch unterscheidet er sich einerseits vom blofsen Mechanismus —und seinem psychischen Korrelat, dem Trieb —, in dem die Energienjedes Momentes sich in dem unmittelbar folgenden vollständig ent-laden, ohne über diesen hinaus auf einen nächsten zu weisen; welchernächste vielmehr nur von dem unmittelbar vorhergehenden ressortiert.Die Formel des Zweckes ist dreigliedrig, die des Mechanismus nur zwei-gliedrig. Andrerseits unterscheidet sich der Zweck durch sein An-gewiesensein auf das Mittel auch von demjenigen Handeln, das mansich als das göttliche denken mag. Für die Macht eines Gottes kannunmöglich ein zeitliches oder sachliches Intervall zwischen dem Willens-gedanken und seiner Verwirklichung bestehen. Das menschlicheHandeln, zwischen diese beiden Momente eingeschoben, ist nichts alsdas Überwinden von Hemmungen, die für einen Gott nicht bestehenkönnen; wenn wir ihn nicht nach dem Bilde irdischer Unvollkommenheitdenken, so mufs sein Wille unmittelbar als solcher schon Realität desGewollten sein. Von einem Endzweck, den Gott mit der Welt hätte,kann man nur in einem sehr modifizierten Sinne reden, nämlich als demzeitlich letzten Zustand, der ihre Schicksale abschliefst. Verhielte sichaber für den göttlichen Ratschlufs jener zu diesen vorhergehenden, wiesich ein menschlicher Zweck zu seinen Mitteln verhält: nämlich als dasallein Wertvolle und Gewollte — so wäre nicht abzusehen, weshalb