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Wirklichkeit umgibt; andrerseits, dafs das Werkzeug in eben demselbenMals an sich indifferenter, farbloser, allem einzelnen gegenüber objektiverwerden und in weiterer Distanz von jedem besonderen Zweckinhalt stehenmufs. Indem das Geld als das Mittel schlechthin die letztere Bedingungin vollkommenem Mafse erfüllt, gewinnt es aus dem ersteren Gesichts-punkt eine sehr gesteigerte Wichtigkeit. Man kann das zunächst soformulieren, dafs der Wert des einzelnen Geldquantums über den AVertjedes einzelnen bestimmten Gegenstandes hinausragt, der dafür einzu-tauschen ist: denn es gewährt die Chance, statt dieses Gegenstandesirgend einen andern aus einem unbegrenzt grofsen Kreise zu wählen.Freilich kann es schliefslich nur für einen verwandt werden; aber dieMöglichkeit der AA r ahl ist ein Vorteil, der im Werte des Geldes eskomp-tiert werden mufs. Indem das Geld überhaupt keine Beziehung zu irgendeinem einzelnen Zweck hat, gewinnt es eine solche zu der Gesamtheitder Zwecke. Es ist dasjenige Werkzeug, in dem die Möglichkeit dernicht vorausgesehenen Verwendungen auf ihr Maximum gekommen istund das dadurch den maximalen, auf diese Weise überhaupt erreichbarenWert gewonnen hat. Die blofse Möglichkeit unbegrenzter Verwen-dung, die das Geld wegen des absoluten Mangels an eigenem Inhalt nichtsowohl hat als ist, spricht sich positiv darin aus, dafs es nicht ruhenmag, sondern wie von sich aus fortwährend zum Verwendetwerden drängt.Wie für wortarme Sprachen, z. B. die französische, gerade die Not-wendigkeit, vielerlei verschiedenes mit demselben Ausdruck zu bezeichnen,eine besondere Fülle von Anspielungen, Beziehungen, psychologischenObertönen ermöglicht, und man so sagen kann, ihr Reichtum bestündegerade in ihrer Armut, — so bewirkt die innere Bedeutungsleere desGeldes die Fülle seiner praktischen Bedeutungen, ja, drängt dahin, diebegriffliche Unendlichkeit seines Bedeutungskreises mit fortwährendenNeubildungen zu erfüllen, der blofsen Form, die es darstellt, immer neueInhalte einzubilden, da sie für keinen ein Haltepunkt, sondern für jedennur ein Durchgang ist. Schliefslich sind alle mannigfaltigsten AVarennur gegen den einen AVert: Geld —, das Geld aber gegen alle Mannig-faltigkeit der Waren umzusetzen. Gegenüber der Arbeit nimmt dies diebesondere Form an, dafs das Geldkapital fast immer von einer Ver-wendung auf eine andere — höchstens mit einem gewissen Verlust, oftaber mit Gewinn — übertragen werden kann, die Arbeit aber fast nie-mals, und zwar um so weniger, je höher sie sich über die unqualifizierteerhebt. Der Arbeiter kann seine Kunst und Geschicklichkeit so gut wienie aus seinem Gewerbe herausziehen und in einem andern investieren.In bezug auf Wahlfreiheit und ihre Vorteile steht er also dem Geldbesitzer