konservativen athenischen Volksmasse gegen den Intellektualismus derSophisten und des Sokrates, gegen dieses neue, unheimliche Machtmitteldes Geistes, das, neutral und herzlos wie das Geld, seine aller über-lieferten Schranken spottende Macht zuerst so oft im Niederreifsen zeigte.Dazu kam, diese Tendenz des Geldes gleichsam objektivierend, dafs dieungeheure Ausdehnung der Geldgeschäfte damals den unendlichenKriegen entstammte, zwischen dem Kaiser und dem französischen König,den Religionskriegen in den Niederlanden, Deutschland und Frank-reich usw. Der Krieg, der unmittelbar nur reine unproduktive Be-wegung ist, bemächtigte sich der Geldmittel vollständig und bewirkteeine völlige Überwucherung des soliden Warenhandels — der stets mehrlokal gebunden ist — durch den Geldhandel. Ja, der Weg des Grofs-kapitals ins Ausland wurde auf diesem Umwege direkt landesverräterisch.Die französischen Könige haben lange mit Hilfe von florentiner BankiersKrieg gegen Italien geführt, sie haben Lothringen und später Elsafsunter dem Beistand deutschen Geldes vom deutschen Reich losreifsenkönnen, die Spanier haben sich der italienischen Geldmächte bedienendürfen, um Italien zu beherrschen. Erst das 17. Jahrhundert hat inFrankreich, England, Spanien diesem Umherflattern des Geldkapitals, indem es die Losgebundenheit seines reinen Mittelscharakters offenbarte,ein Ende zu machen und das Kapitalbedürfnis der Regierungen imeigenen Lande zu decken gestrebt. Und wenn die Finanz der modernstenZeit wieder in vieler Hinsicht international geworden ist, so hat diesdoch ganz andere Bedeutung: »Fremde« in jenem alten Sinne gibt eseben heute nicht mehr, die Handelsverbindungen, ihre Usancen und ihrRecht haben aus ganz entfernten Ländern einen immer mehr sich ver-einheitlichenden Organismus gebildet. Das Geld hat den Charakter, deres ehemals zur Domäne des Fremden machte, nicht verloren, sondernsogar durch die Vermehrung und Variierung der in ihm gekreuztenteleologischen Reihen immer mehr ins Abstrakte und Farblose gesteigert.Der Gegensatz, der in dieser Hinsicht zwischen den Einheimischen undden Fremden bestand, ist nur deshalb fortgefallen, weil die einst vonihm getragene Geldform des Verkehrs die Gesamtheit des Wirtschafts-kreises ergriffen hat. Wie in einem Miniaturbild zusammengedrängt er-scheint mir die Bedeutung des Fremden für das Geldwesen in dem Rate,den ich einmal geben hörte: man solle mit zwei Menschen niemalsGeldgeschäfte machen, mit dem Freunde und mit dem Feinde. Die in-differente Objektivität des Geldgeschäftes tritt in dem einen Fall in einenfast niemals ganz zu glättenden Konflikt mit der Personalität des Ver-hältnisses, in dem anderen gibt eben derselbe Umstand feindseligen
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