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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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auseinandertraten wie später, dafs die ersteren deshalb nicht dasselbepsychologische Eigenleben gewannen wie später, und dafs das Geld nichtso selbstverständlich und ohne innere Widerstände zu finden, zu einemselbständigen Werte auf wuchs.

Die Bedeutung des Geldes, das gröfste und vollendetste Beispiel fürdie psychologische Steigerung der Mittel zu Zwecken zu sein tritt erstin ihr volles Licht, wenn das Verhältnis zwischen Mittel und Endzwecknoch näher beleuchtet wird. Ich habe vorhin schon eine Reihe von Ver-anlassungen erwähnt, die die wirklichen Ziele unseres Handelns vor unsselbst verbergen, so dafs unser Wollen in Wirklichkeit auf ganz anderehingeht, als es uns selbst scheint. Wenn es aber so durchaus legitimist, über die Zwecke innerhalb unseres Bewufstseins hinaus nach weiterenzu fragen wo liegt die Grenze für dieses Hinausfragen? Wenn über-haupt einmal die teleologische Reihe nicht mit ihrem letzten momentanbewufsten Gliede abschliefst, ist dann nicht der Weg für ihren Weiter-bau ins Unendliche eröffnet, ist es nicht geradezu erforderlich, uns mitkeinem gegebenen Endzweck, auf den unser Handeln führe, zu begnügen,sondern für jeden eine noch weitere Begründung in einem noch darübergelegenen zu suchen? Es tritt hinzu, dafs kein erreichter Gewinn oderZustand jene endgültige Befriedigung gewährt, die mit dem Begriff einesEndzwecks logisch verbunden ist, dafs vielmehr jeder erreichte Punkteigentlich nur als Durchgangsstadium zu einem darüber hinaus liegendenDefinitivum empfunden wird im Gebiete des Sinnlichen, weil diesesin ununterbrochenem Flufs ist, der an jedes Geniefsen ein neues Bedürfenkontinuierlich ansetzt, im Gebiet des Idealen, weil die Forderungen des-selben durch keine empirische Wirklichkeit gedeckt werden. Nimmt mandies alles zusammen, so scheint das, was wir den Endzweck nennen, überden teleologischen Reihen zu schweben, zu diesen sich verhaltend wieder Horizont zu den irdischen Wegen, die immer auf ihn zugehen, aberihn nach der längsten Wanderung nicht näher als an ihrem Beginn vorsich haben. Denn nicht das steht in Frage, dafs der Endzweck etwa nur un-erreichbar, sondern dafs er eine überhaupt nicht mit einem Inhalt zu er-füllende Vorstellungsform ist. Die teleologischen Reihen, soweit sie sichüberhaupt auf irdisch Realisierbares richten, kommen nicht nur ihrerVerwirklichung, sondern schon ihrer inneren Struktur nach nicht zumStehen, und statt des festen Punktes, den eine jede derselben in ihremEndzweck zu besitzen schien, bietet sich dieser gerade nur als dasheuristische, regulative Prinzip dar: dafs man kein einzelnes Willenszielfür das letzte ansehe, sondern jedem die Möglichkeit offen halte, die Stufezu einem höheren zu werden. Der Endzweck ist sozusagen nur eine