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entlehnt deren Wert nicht erst aus ihren subjektiven Reflexen. Ich lassejede psychologische oder erkenntnistheoretische Deutung dieser, jenseitsdes Persönlichen stehenden Motivierung hier dahingestellt; jedenfalls istsie eine psychologische Tatsache, die nun mit den Zweckreihen persön-licher Färbung die mannigfaltigsten Kombinationen eingeht. Der Sammler,der seine Kostbarkeiten Anderen verschliefst und sie selbst garnicht ge-niefst, aber ihren Besitz dennoch auf das eifersüchtigste hütet und wertet,färbt all seinen Egoismus durch einen Beisatz jener übersubjektivenWertungsweise. Im ganzen ist es doch der Sinn des Besitzes, genossenzu werden, und wir stellen ihm nicht nur die Objekte gegenüber, andenen man, wie an den Sternen, Freude hat, ohne sie zu begehren,sondern auch diejenigen, deren Wert man von aller subjektiven Freudeprinzipiell unabhängig macht, wie die Schönheit, Ordnung und Bedeut-samkeit des Kosmos als etwas des Genossenwerdens Unbedürftiges unddennoch in seinem Werte Beharrendes erscheint. In dem Fall jener Be-sitzsüchtigen liegt nun eine mittlere oder Mischerscheinung vor: es be-darf hier schon des Besitzes, aber dieser schreitet nicht zu seinemregulären subjektiven Erfolge vor, sondern wird auch ohne diesen alsetwas wertvolles, als ein des Erstrebens würdiges Ziel empfunden. Nichtdie Qualität der Sache ist hier der eigentliche Träger des Wertes;sondern, so unentbehrlich sie ist und so sehr sie das Mals des Wertesbestimmt — das eigentlich Motivierende ist die Tatsache ihres Besessen-werdens, die Form des Verhältnisses, in dem das Subjekt zu ihr steht.Dafs diese Form — die freilich nur an einem Inhalt wirklich werdenkann —, dafs dieser Besitz des Subjekts als rein objektive Tatsache daist, das ist das Wertvolle, an dem die teleologische Reihe Halt macht.
In sehr eigentümlicher Weise zeigt sich die Verabsolutierung einesökonomischen Wertes, das Abbrechen der teleologischen Reihe, bevorsie zum Subjekt zurückgekehrt ist, an einer gewissen Bedeutung desGrundbesitzes, die sich mit seiner eigentlich ökonomischen Bedeutungin mannigfaltiger Weise — oft freilich nur wie ein Oberton mitschwebend— mischt. So sicher nämlich der Grundbesitz kein Wert geworden wäre,wenn er nicht dem Eigentümer subjektive Nutzerfolge einbrächte, so er-schöpft sich doch sein Wert nicht völlig in diesen angebbaren Wert-faktoren: in dem Ertrage, in der gröfseren Sicherheit des Immobiliar-besitzes, in der sozialen Macht, die er verleiht usw. Sondern darüberhinaus verbindet sich mit ihm vielfach ein gewissermafsen idealer Wertund die Empfindung, es sei an sich wertvoll, dafs der Mensch diesesHerrschaftsverhältnis zum Boden habe, dafs er zu der Grundlage mensch-licher Existenz überhaupt eine so enge und sie gleichsam in das Ich