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der Zweck ist nun einmal verfehlt, aber um diese Verfehlung zu reali-sieren, bringt man ein weiteres Opfer; denn der Typus dieser Erscheinungenist: »Lieber den Magen verrenkt als dem Wirt einen Kreuzer geschenkt.«Dafs eine sparsame Mutter von ihren Kindern damit geneckt wurde, sienähme die Medizinreste, die nach Krankheiten in der Familie un-verbraucht geblieben waren, um sie nicht umkommen zu lassen, —zeichnet nur die Karikatur eines von vielen Menschen sehr ernsthaftbetriebenen Verfahrens. Die Konsumtion des Gegenstandes ist nach derVoraussetzung indifferent oder schlimmer als indifferent; ihr Motiv kannalso nicht sein, dafs der Gegenstand nicht umkommen soll; denn er istumgekommen, indem die Genufsseite seiner, die seine Bedeutung für dasSubjekt bildete, in Wegfall gekommen ist. Es wird in Wirklichkeit alsogarnicht derjenige Gegenstand konsumiert, auf den die Absicht gerichtetwar, sondern ein anderer, dem die motivierende Eigenschaft gerade fehlt.Das Motiv kann demnach nur dies sein, dafs mit der Konsumierungwenigstens die Geldaufwendung ihr Äquivalent gefunden hat. Das Geldist so zu seinem nächsten Zwecke gekommen und damit ist eine Be-ruhigung des Gefühls und ein Höhepunkt der teleologischen Reihe er-reicht, neben der die Verfehlung ihres subjektiven Endzwecks, als eineSache für sich und jene Befriedigung nicht herabsetzend, steht. Diesebanale und inhaltlich uninteressante Erscheinung offenbart so eine ganzeigenartige teleologische Konstellation des Geldwertes. Obgleich sienicht an sehr erheblichen Objekten hervorzutreten pflegt und deshalbetwas Kleinbürgerliches und Unscheinbares hat, ist sie doch vielleichtder extremste Ausdruck für die Überwucherung der wirklichen End-zwecke durch die Mittelinstanz des Geldes; denn es fällt hierbei nichtnur, wie auch beim Geize, der eigentliche Sinn alles Wirtschaftens weg,sondern auch noch der Reiz der Macht und der Möglichkeiten, der beijenem den zu nichts verwendeten Geldbesitz schmückte: das Objekt, ausdem alles, was irgendwie Sinn und Zweck seiner Konsumtion sein könnte,hinweggefallen ist, wird unter Unbequemlichkeiten und Schädlichkeitenkonsumiert, blofs weil das dafür ausgegebene Geld ihm einen absolutenWert verliehen hat. Der Zweckprozefs ist hier also nicht nur an derGeldinstanz erstarrt, sondern er wird noch darüber hinaus sozusagenrückläufig und pervers, indem die an sich nicht - zweckmäfsige Wertungdurch direkt unzweckmäfsiges Verfahren realisiert wird.
Die Stellung des Geldes, insoweit sie seinen Charakter über dasblofse Mittlertum hinaus zu einem selbständigen Interesse steigert, willich nun noch nach zwei negativen Instanzen hin verfolgen. Die Ver-schwendung ist nach mehr als einer Richtung dem Geize verwandter