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niederen den mittleren. Dies erst habe die Möglichkeit eines einheitlichenund allgemeinen Geldwertes ergeben. Man könnte nach dieser Richtunghin den Weg der ökonomischen Kultur so formulieren: sie gehe dahin,das ursprünglich Billige zu verteuern und das ursprünglich Teure zuverbilligen. Diese Ausgleichung zeigt sich zunächst nach der objektivenSeite hin und findet ihre wahrhaft wunderbare Erscheinung in der»Durchschnittsprofitrate«. Durch eine fast unglaubliche und garnichtals bewufster Verlauf nachzuweisende Anpassung aller wirtschaftlichenFaktoren aneinander ist erreicht, dafs die nach ihrem Material, ihrenArbeitsbedingungen, ihren Erträgnisquanten verschiedenartigsten und voneinander unabhängigsten Betriebe in der ausgebildeten Wirtschaft den inihnen investierten Kapitalien dennoch die — ceteris paribus — gleicheRente liefern! Dafs eine ebensolche Ausgleichung für die subjektiv-eudämonistischen Erfolge der Geldwerte sich herstelle, kommt natürlichangesichts der individuellen Differenziertheit der Menschen nicht in Frage,wohl aber könnte, vermöge der allmählichen Ausdrückbarkeit aller Objektein Geld und der allmählichen Herstellung eines durchgehenden Geldpreis-standards, einer gleichmäfsigen Bedeutung des Geldes für alle Waren —vermöge dieser könnte der Kulturprozefs sich einem verwandten Zustandnähern: auf der Quantitätsskala des Geldes könnten eventuell gewissePunkte als Äquivalente derjenigen Objekte hervortreten, die für einbestimmtes Individuum oder einen Typus entweder die ökonomischeSchwelle oder die Genufsschwelle oder die Blasiertheitsschwelle bezeichnen.Auf diesem, durch seine Komplikation und seine Individualisiertheitenschwierigsten Gebiet der Schwellenerscheinungen zeigt sich immerhin dasGeld als das einzige Objekt, das, durch seinen rein quantitativen Charakterund sein gleichmäfsiges Verhalten zu allen Verschiedenheiten der Dinge,noch am ehesten die Möglichkeit gibt, die mannigfaltigsten Reizbarkeitenin eine einheitliche Reihe zusammenzuordnen. Aufserdem aber weisengewisse Vorkommnisse auf eine ganz unmittelbare Bedeutung hin,die das Geld für die Schwelle des ökonomischen Bewufstseins hat, undzwar derart, dafs das Bewufstsein überhaupt erst auf einen geldmäfsigenReiz hin als spezifisch ökonomisches reagiert. Spiefsbürgerliche Eng-herzigkeit lehnt die Zumutung altruistischer Hingabe eines Objekts oftmit der Begründung ab, der Gegenstand habe doch Geld gekostet —dies wird wirklich als rechtfertigende Begründung dafür empfunden,dafs man hier nach dem hart egoistischen Prinzip blofser Ökonomie ver-fahre! Ebenso suchen törichte Eltern ihre Kinder von mutwilligen Zer-störungen dadurch zurückzuhalten, dafs sie betonen, die Dinge hättendoch Geld gekostet! Statt den Kindern den Wert der Objekte selbst