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höchsten Erhebung des Ich ihren Sinn für unser Leben darin, dals sieüberhaupt einmal da waren, ohne dals eine Wiederholung, die ihremInhalt nichts hinzufügte, diesen Sinn vermehren könnte. Kurz, allent-halben macht die Zuspitzung der Wertgefühle auf die Form gegenihre Quantitätsmomente gleichgültiger, während ihre Formlosigkeit geradeauf diese als wert-entscheidende hinweist. —
Solange noch nicht so grenzenlos viele Zweckreihen sich im Geldschneiden, wie auf den Höhen der geldwirtschaftlichen Kultur, und nochnicht fortwährendes Zerbröckeln und Wieder-Summieren jede Eigen-struktur seiner atomisiert und in absolute Flexibilität übergeführt hat —begegnen Erscheinungen, in denen das Geld noch spezifische Form zeigt.Das ist da der Fall, wo eine höhere Summe nicht durch addierte kleinereersetzt werden kann. Ansätze dazu zeigt schon der Naturaltauschverkehr:bei manchen Völkern darf etwa Vieh nur gegen Eisen und Zeuge, nichtaber gegen — sonst tauschwertvollen — Tabak vertauscht werden.Anderwärts, z. B. auf der Insel Yap, haben die aulserordentlich mannig-faltigen Geldsorten (Knochen, Perlmutterschalen, Steine, Glasstücke usw.)eine Rangordnung. Trotzdem nämlich feststeht, ein wie Vielfaches derniederen Geldsorten die höheren gelten, so dürfen doch gewisse wert-vollere Dinge, wie Boote oder Häuser, nicht etwa mit entsprechendvielen niederen Geldstücken, sondern müssen mit einer für jedes Objektbestimmten, im Range hochstehenden Geldsorte bezahlt werden. Fürden Kauf von Frauen finden wir gleichfalls diese Beschränkung auf einebestimmte Geldqualität, die nicht durch eine Quantität anderer ersetzbarist, in Gültigkeit. Und auch in umgekehrter Richtung gilt eben dieselbe:an einigen Stellen wird das Gold nie verwendet, um gröfsere Quantengeringerer Waren, sondern ausschliefslich um besonders kostbare Dingeeinzukaufen. Dieser Erscheinungskreis entspricht nicht etwa der Be-stimmung unserer Goldwährung, nach der Zahlungen oberhalb einer ge-wissen Höhe in Gold verlangt werden können, während man für niedereanderes Metall annehmen mufs; der prinzipielle und technische Unterschiedzwischen Wertmünze und Scheidemünze, auf den dies zurückgeht, scheintfür jene Usance nicht zu bestehen, sondern die Geldsorten scheinen eineeinheitliche Reihe zu bilden, in der nur die höheren Glieder ihrenquantitativen Inhalt zu einem besonderen, quantitativ nicht ausdrückbarenFormwert zusammenschliefsen. Dies ist ein vortreffliches Mittel, derTrivialisierung der Geldfunktion vorzubeugen, die die unvermeidlicheFolge des blolsen Quantitätscharakters ist, und ihr den sakralen Charakterzu erhalten, den sie anfänglich so oft trägt. Aber es ist auch der Hin-weis, dals solche Form- oder Qualitätsbedeutungen des Geldes einer