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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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wo immer wir qualitative Tatsächlichkeiten auf quantitative Verhältnissezurückgliedern, bleiben die Elemente physischer, personaler, psychi-scher Art, deren Mehr oder Weniger den besonderen Erfolg ent-scheidet, an sich selbst doch in irgend einem Mafse qualitativ charak-terisiert; man mag diese Bestimmtheit immer weiter zurückschieben, sodafs die gestern noch unauflösliche Qualität des Elementes heute ihrer-seits als eine Modifikation nach Mafs und Zahl erkennbar wird; dieserProzefs aber geht ins Unendliche und läfst in jedem gegebenen Augen-blick noch eine qualitative Bestimmtheit der Elemente bestehen, um derenWieviel es sich handelt. Nur der Metaphysik mag die Konstruktion ab-solut eigenschaftsloser Wesenheiten gelingen, die, nach rein arithmetischenVerhältnissen zusammengeordnet und bewegt, das Spiel der Welt erzeugen.Im Gebiet der Erscheinungen aber erreicht nur [das Geld diese FreiheitA r on allem Wie, diese alleinige Bestimmtheit nach dem Wieviel. Währendwir nirgends das reine Sein oder die reine Energie ergreifen können, umaus ihren quantitativen Modifikationen die Besonderheit der Erscheinungenhervorgehen zu lassen, vielmehr zu allen spezifischen Dingen ihre Ele-mente und Ursachen schon irgend eine Beziehung (wenngleich nichtimmer Ähnlichkeit) haben ist das Geld von den entsprechenden Be-ziehungen zu dem, was darüber und dadurch wird, [völlig gelöst; derreine ökonomische Wert hat einen Körper gewonnen, aus dessen Quan-titätsverhältnissen nun alle möglichen eigenartigen Gebilde hervorgehen,ohne dafs er etwas anderes als eben seine Quantität dafür einzusetzenhätte. So erreicht auch hier eine der grofsen Tendenzen des Lebensdie Reduktion der Qualität auf die Quantität im Geld ihre äufsersteund allein restlose Darstellung; auch hier erscheint es als der Höhepunkteiner geistesgeschichtlichen Entwicklungsreihe, der die Richtung derselben,erst unzweideutig festlegt.