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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
Seite
293
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Bedeutung besitzt, so dafs nur das eine jeweilige höchste Exemplar überden Wert der Epoche entscheidet, während für den Sozialismus geradenur das Verbreitungsmafs erwünschter Zustände und Werte inFrage kommt.

Die oben angeführten Beispiele der modernen Quantitätstendenz zeigenersichtlich zwei Typen: erstens, die objektiven Substanzen und Ereignisse,die den qualitativ unterschiedenen subjektiven Vorstellungen zum Grundeliegen, sind ihrerseits nur quantitativ unterschieden; zweitens, auch imSubjektiven erzeugt die blofse Häufung der Elemente oder Kräfte Er-scheinungen, deren Charakter sich von den quantitativ anders bedingtenspezifisch und nach Wertgesichtspunkten unterscheidet. Nach beidenRichtungen hin erscheint das Geld als Beispiel, Ausdruck oder Symbolder modernen Betonung des [Quantitätsmomentes. Die Tatsache, dafsimmer mehr Dinge für Geld zu haben sind, sowie die damit solidarische,dafs es zum zentralen und absoluten Wert auswächst, hat zur Folge,dafs die Dinge schliefslich nur noch so weit gelten, wie sie Geld kosten,und dafs die Wertqualität, mit der wir sie empfinden, nur als eine Funk-tion des Mehr oder Weniger ihres Geldpreises erscheint. Unmittelbarhat dieses Mehr oder Weniger die doppelte Folge: im Subjekt die ent-gegengesetzten Gefühle, das tiefste Leid und die höchste Beseligungsamt allen Mittelgliedern zwischen diesen Polen hervorzurufen, wie esseitens Anderer in die nicht weniger reiche Skala zwischen verächtlicherGleichgültigkeit und kniebeugender Verehrung einzustellen. Und in eineranderen Dimension strahlt das Geld sowohl nach der Seite des Viel wiedes Wenig sogar gleichmäfsige Wertbedeutungen aus: der typischemoderne Mensch schätzt die Dinge, weil sie sehr viel kosten, und erschätzt sie, weil sie sehr wenig kosten. Dafs die Geldbedeutung sichder Sachbedeutung substituiert, kann nicht radikaler ausgedrückt werdenals durch die gleichsinnige wenn auch natürlich nicht für jeden einzelnenFall gleichsinnige Wirkung des Viel und des Wenig des Geldes. Jezentraler ein Gedanke oder ein Wert seine Provinz beherrscht, von umso gleichmäfsigerer Stärke wird die Wichtigkeit sein, die er sowohl mitpositivem wie mit negativem Vorzeichen entfaltet. Andrerseits, imObjektiven, bewirkt das Anwachsen der [Geldquantität überhaupt wieseine Akkumulierung in einzelnen Händen eine Steigerung der sachlichenKultur, eine Herstellung von Produkten, Geniefsbarkeiten und Lebens-formen, von deren Qualitäten bei geringeren oder anders verteilten Geld-quantitäten garnicht die Rede hätte sein können. Ja, man möchte sogarjene Quantitätstendenz am Geld radikaler verwirklicht meinen als aufirgend einem anderen, diesseits der Metaphysik liegenden Gebiete. Denn