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gleiche Manko in der Strenge der naturgesetzlichen Theorien. WelcheSchwierigkeiten auch die Metaphysik in dem Verhältnis zwischen derobjektiven Bestimmtheit der Dinge und der subjektiven Freiheit desIndividuums finde: als Kulturinhalte gehen ihre Ausbildungen einanderparallel und die Vertiefungen des einen scheinen, um das Gleichgewichtdes inneren Lebens zu retten, die des anderen zu fordern.
Und hier mündet diese allgemeine Betrachtung in unser engeresGebiet ein. Auch die Wirtschaft beginnt mit einer Ungeschiedenheitder personalen und der sachlichen Seite der Leistung. Die Indifferenzspaltet sich erst allmählich zum Gegensatz, aus der Produktion, demProdukte, dem Umsatz tritt das personale Element mehr und mehrzurück. Dieser Prozeis aber entbindet die individuelle Freiheit. Wiewir eben sahen, dals diese sich in dem Malse entfaltet, in dem die Naturfür uns objektiver, sachlicher, eigen-gesetzmäfsiger wird — so steigertsie sich mit der Objektivierung und Entpersonalisierung des wirtschaft-lichen Kosmos. So wenig in der wirtschaftlichen Einsamkeit einer un-sozialen Existenz das positive Gefühl der individuellen Unabhängigkeiterwächst, so wenig in einem Weltbild, das von der Gesetzmälsigkeitund der strengen Objektivität der Natur noch nichts weifs; erst an diesemGegensatz kommt, wie an jenem, das Gefühl einer eigentümlichen Kraftund eines eigentümlichen Wertes des Fürsichseins zustande. Ja, auch fürdas Verhältnis zur Natur scheint es, als ob in der Isolierung der Primitiv-wirtschaft — also in der Periode der Unkenntnis der Naturgesetzlichkeitim heutigen Sinne — eine um so stärkere Unfreiheit durch die aber-gläubische Auffassung der Natur geherrscht habe. Erst indem die Wirt-schaft sich zu ihrer vollen Ausdehnung, Komplikation, innerlichen Wechsel-wirksamkeiten entwickelt, entsteht jene Abhängigkeit der Menschen unter-einander, die durch die Ausschaltung des persönlichen Elementes denEinzelnen stärker auf sich zurückweist und seine Freiheit zu positiveremBewufstsein bringt, als die gänzliche Beziehungslosigkeit es vermöchte.Das Geld ist der absolut geeignete Träger eines derartigen Verhältnisses;denn es schafft zwar Beziehungen zwischen Menschen, aber es läfst dieMenschen aufserhalb derselben, es ist das genaue Äquivalent für sachlicheLeistungen, aber ein sehr inadäquates für das Individuelle und Personalean ihnen: die Enge der sachlichen Abhängigkeiten, die es stiftet, ist fürdas unterschiedsempfindliche Bewufstsein der Hintergrund, von dem sichdie aus ihnen herausdifferenzierte Persönlichkeit und ihre Freiheit erstdeutlich abhebt.
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