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überhaupt in die Erscheinung treten. Indes ist doch auch hier dasMaterial für diese Äufserung die blofse Quantität; diese ganzen, für dasIndividuum so bezeichnenden Unterschiede der Geldgebarung kommendoch auf solche des Mehr oder Weniger hinaus, ganz im Gegensatz zuden Unterschieden zwischen den Persönlichkeiten, die sich in ihremsonstigen Verfahren mit Dingen und Menschen finden. Im allgemeinenwird es also dabei bleiben, dafs jeder andere Besitz viel bestimmtereForderungen an das Individuum stellt und viel bestimmtere Wirkungenauf dasselbe ausübt, somit als eine Determination oder Fesselung des-selben erscheint; erst der Geldbesitz gibt, wenigstens unterhalb einersehr hoch gesteckten und sehr selten erreichten Grenze, nach beidenSeiten hin volle Freiheit.
Darum hat auch erst die Geldwirtschaft die Herausbildung derjenigenBerufsklassen ermöglicht, deren Produktivität sich inhaltlich ganz jenseitsjeder wirtschaftlichen Bewegung stellt — die der spezifisch geistigenTätigkeiten, der Lehrer und Literaten, der Künstler und Ärzte, der Ge-lehrten und Regierungsbeamten. Solange Naturalwirtschaft herrscht,erlangen diese überhaupt nur geringen Umfang und nur auf der Basisdes Grofsgrundbesitzes, weshalb denn auch im Mittelalter die Kirche und,nach manchen Seiten hin, das Rittertum das geistige Leben trugen. Diebezeichnete Kategorie von Menschen erhält ihren Rang durch die Strengeder Frage, von der der ganze Wert ihrer Persönlichkeiten abhängt: obsie sich oder ob sie die Sache suchen. Wo die erwerbende Tätigkeitprinzipiell kein Motiv aufserhalb des Erwerbes selbst einzusetzen hat,fällt dieses Kriterium ganz fort und wird höchstens durch die Alternativezwischen rücksichtslosem Egoismus und anständiger Gesinnung — dieaber hier wesentlich prohibitiv wirkt — ersetzt. Das Eigentümliche ist,dafs das Geld, obgleich, oder vielmehr weil es der sublimierteste Wirt-schaftswert ist, uns von der wirtschaftlichen Seite der Dinge am voll-ständigsten erlösen kann — freilich um den Preis, uns den Betätigungen,die ihren Sinn nicht in ihrem wirtschaftlichen Erfolge haben, mit jenerunerbittlichen Frage gegenüberzustellen. Wie aber die der höheren Ent-wicklung eigene Differenzierung der Lebenselemente allenthalben bewirkt,dafs sie als verselbständigte dann wiederum neue Synthesen bilden, sozeigt sich schon hier das später Auszuführende, dafs die geldmäfsigeFremdheit zwischen dem Besitz und dem Kern der Persönlichkeit docheiner neuen Bedeutung des einen für das andere Raum gibt.
Denn das Wirken des Künstlers, des Beamten, des Predigers, desLehrers, des Forschers mifst sich, seinem sachlichen Inhalt nach, zwaran einem objektiven Ideale und schafft nach der an diesem festgestellten