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liehe Situation eine steigende Freiheit der Person. Denn es gehört zujener Differenzierungsform der Lebensreihen, durch die jede einzelne,streng innerhalb ihres eignen Gebietes verbleibend, auch jede anderemöglichst sich selbst gehören läfst. Gerade das objektivste Prinzip, dieKopfsteuer, durchschneidet am rücksichtslosesten die persönliche Ver-schiedenheit der Verhältnisse, und |auch jede andere Steuer, die nichteine genaue Funktion des individuellen Einkommens ist, greift, da siedoch von diesem entrichtet werden mufs, über ihr eigentliches Gebiethinaus und in andere ein, in die sie, streng genommen, nicht gehört. Eswiederholt sich nur, wie so oft, zwischen den Elementen der Wirtschaftderselbe Prozefs, den wir zwischen den wirtschaftlichen und den übrigenLebenselementen beobachteten. Dieser Zusammenhang ist wirksam,wenn man im 18. Jahrhundert schon beim ersten Aufdämmern derliberalen Ideen verlangte, die Steuer solle das Existenzminimum desEinzelnen freilassen, und dieses Existenzminimum bei den verschiedenenStänden verschieden ansetzte: auch hier also die Tendenz, dafs die Steuersich zunächs negativ, in dem, was sie verschonte, den besonderen Ver-hältnissen anschmiege und die rein personale Existenz ganz unangegriffenlasse. Und wenn neuerdings Vermögenssteuern diese Entwicklung wiederetwas umbiegen, indem sie von Geld- und Sachwerten, gleichgültig gegenderen Einkommensertrag, erfordert werden, so geht dies eben vonsozialen Gesichtspunkten aus, denen das Interesse an der individuellenFreiheit als solches fernliegt. So zeigen positive wie negative Instanzen,dafs mit der steigenden Bedeutung des Geldes auch der Schatten desBesitzes, die Steuer, sich in immer differenzierterer Weise in der ihrgenau zukommenden Reihe lokalisiert und eben durch das biegsameAnschmiegen an dieselbe den andern, der Totalität des wirtschaftlichenund sonstigen Seins, möglichste Freiheit läfst.
Dafs überhaupt durch die Steuern das Verhältnis des Staates zu seinenBürgern wesentlich geldwirtschaftlich bestimmt wird, gehört einer Kor-relation an, die für die jetzige Zusammenfassung wichtig und auf demfolgenden Wege darstellbar ist. Wenn die Stände sich in der Hauptsachenach ihrem Geldeinkommen scheiden, so ist eine mit den Ständen alsganzen rechnende Politik sehr eingeschränkt, weil die allerverschiedenstensachlichen Interessen doch mit dem gleichen Geldeinkommen verbundensind, und deshalb jede im Interesse eines Standes ergriffene .Vlafsregelzugleich innerhalb desselben unvermeidlich vielerlei Interessen verletzt.So kann es z, B. eine einheitliche Mittelstandspolitik garnicht geben,wenn man unter Mittelstand die Einkommensstufen etwa von 1200 bis3000 Mk. versteht. Denn die darunter begriffenen Kaufleute, ArbeiterSimmel , Philosophie des Geldes. 2. Aufl. 22