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seinem Besitz scheint sich diese Fortschrittsform zu wiederholen. Prinzipiellangesehen ist jeder Besitz eine Erweiterung des Ich, eine Erscheinunginnerhalb des subjektiven Lebens, und sein ganzer Sinn besteht in demBewufstseins- bezw. Gefühlsreflex, den die durch ihn bezeichnete Be-ziehung zu den Dingen in der Seele auslöst. In dem gleichen Sinne istalles, was mit den Besitzgegenständen geschieht, eine Funktion desSubjekts, das sich selbst, seinen Willen, sein Gefühl, seine Denkart insie ausströmt und an ihnen ausprägt. Historisch indes stellt sich, woraufich schon früher hindeutete, diese absolute Bedeutung des praktischenBesitzes, gerade wie die des intellektuellen Besitzes, zunächst in einemIndifferenzzustand dar, der das Ich und die Dinge verschmilzt und jenseitsdes Gegensatzes zwischen beiden steht. Die altgermanische Verfassung,die den Besitz unmittelbar an die Person knüpfte, der spätere Feudalismus,der umgekehrt die |Person an den |Besitz band; die enge Verbindungmit der Gruppe überhaupt, die jedes Mitglied a priori in seine ökonomischeStellung hineinwachsen läfst; die Erblichkeit der Berufe, durch welcheTätigkeit und Position einerseits, die familiäre Persönlichkeit andrerseits,zu Wechselbegriffen werden; jede ständische oder zunftartige Verfassungder Gesellschaft, die ein organisches Verweben der Persönlichkeit mitihrem ökonomischen Sein und Haben bedingt — dies alles sind Zuständevon Undifferenziertheit zwischen Besitz und Person; ihre ökonomischenInhalte oder Funktionen und diejenigen, welche das Ich im engeren Sinneausmachen, stehen in sehr unmittelbarer gegenseitiger Bedingtheit. Er-sichtlich wirkt diese Gefühlsweise, wenn in primitiven Zeiten dem Totenseine eigentlich persönlichen Besitzstücke ins Grab mitgegeben werden —nicht weniger aber, wenn der angelsächsische König, während dieserUsus besteht, doch beim Tod des Dienstmannes das Anspruchsrecht aufdessen Rüstung hat; denn diese bleibt dem König als Rudiment undErsatz der Persönlichkeit, die mit ihr verbunden war. Ganz allgemein:wie das Denken des primitiven Menschen keine gesonderten Kategorienfür die blofs subjektive Einbildung und die objektiv wahre Vorstellungbesitzt, so unterscheidet seine Praxis auch nicht klar zwischen der eigenenGesetzmäfsigkeit der Dinge (wo er diese anerkennt, nimmt sie leichtwieder die personifizierende Gestalt eines göttlichen Prinzips an) und dernach innen konzentrierten, von dem Äufseren unabhängigen Persönlichkeit.Die Entwicklung über dieses Stadium hinaus besteht nun in der Sonderuugjener Elemente. Alle höhere wirtschaftliche Technik beruht jauf einerVerselbständigung der ökonomischen Prozesse: sie werden von der Un-mittelbarkeit der personalen Interessen gelöst, sie funktionieren, als obsie Selbstzwecke wären, ihr mechanischer Ablauf wird immer weniger