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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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er prinzipiell nahesteht, dennoch notgedrungen zurückdämmt, muls derKauf zu einer Höherschätzung der einen Frau, die man besitzt, führen.Denn, wie es entsprechend die Folge des unmittelbaren Kostenaufwandesist: die Beständigkeit ist nicht nur die Folge der Schätzung der Frau,sondern auch umgekehrt diese letztere die Folge einer auf irgend anderemWege hervorgebrachten Beständigkeit. Es ist dabei-von gröfster Wichtig-keit, dafs die Verschiedenheit der Preise sowohl der sozial fixiertenwie der durch individuellen Handel zustande kommenden zum Ausdruckbringt, dafs die Frauen an Wert verschieden sind. Von den Kaffer-frauen wird berichtet, dafs sie ihr Verkauftwerden durchaus nicht alsEntwürdigung empfinden, das Mädchen sei im Gegenteile stolz darauf,und je mehr Ochsen oder Kühe sie gekostet hat, um so mehr halte siesich wert. Man wird vielfach bemerken, dafs eine Kategorie von Ob-jekten ein entschiedeneres Wertbewufstsein dann erwirbt, wenn jedeseinzelne besonders gewertet werden muss und starke Unterschiededes Preises die Tatsache des Wertes immer neu und scharf empfindenlassen; während allerdings auf anderen Wertungsstufen, wie sich gelegent-lich des Wergeides ergab, gerade die Gleichheit der Entschädigungdie objektive Bedeutung des Gegenwertes aufwachsen läfst. So enthältder Frauenkauf ein erstes, freilich äufserst rohes Mittel, den individuellenWert der einzelnen Frau und vermöge jener psychologischen Regelder Werte auch den Wert der Frauen überhaupt hervortreten zulassen. Ja sogar, wo die Frau als Sklavin gekauft wird, ist ein stärkeresVariieren ihres Preises wahrscheinlich als beim männlichen Sklaven.Dieser, der blofs Arbeitstier ist, hat bei gleichem Alter dauernd ungefährden gleichen konventionellen Preis (im alten Griechenland und inIrland = drei Kühen), während die Sklavin, da sie auch noch spezi-fischeren Zwecken, als denen der Arbeit dient, je nach ihren persönlichenReizen an Wert wechselt obgleich man sich den Einflufs diesesästhetischen Umstandes bei primitiven Völkern nicht sehr grofs vorstellendarf. Jedenfalls ist auch innerhalb des Frauenkaufes offenbar diejenigeStufe die niedrigste, wo der Preis durch Herkommen für alle gleich-mäfsig fixiert ist, wie bei einigen Afrikanern.

Was sich in diesem Falle mit äufserster Entschiedenheit geltendmacht: dafs die Frau als blofses Genus behandelt wird, als ein unpersön-liches Objekt das ist nun freilich selbst, bei allen oben erwähntenEinschränkungen, das Kennzeichen der Kaufehe. Darum wird von einerReihe von Völkerschaften, besonders in Indien, der Frauenkauf als etwasSchimpfliches betrachtet, und anderwärts findet er zwar statt, aber manscheut den Namen und bezeichnet den Preis als ein freiwilliges Geschenk