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Durchschnitt heraushebt, wie etwa bei dem ungelernten Arbeiter, sofehlt der Punkt der Inkommensurabilität, das Hineinwachsen der mitnichts vergleichbaren Persönlichkeit in das Werk, die sich immer nurin einer irgendwie singulären Qualität zu erkennen geben kann. Andrer-seits ob der Leistende eine Begleichung jenes Saldo auf die angegebenenArten erlangt, hängt im Prinzip davon ab, ob seine soziale Stellung ihmüberhaupt derartige ideale Anerkennungen zugängig macht; wo siewegen seiner allgemeinen Untergeordnetheit ausbleiben, erscheint ernatürlich um so herabgewürdigter, je persönlicheres er für Geld undnur für Geld zu geben gezwungen ist. So wurden die mittelalterlichenSpielleute verachtet, mit der gelegentlichen Begründung, dafs sie auf Be-stellung Lustiges wie Trauriges sängen, ihre persönlichen Empfindungendamit prostituierten, dafs sie »Geld für Ehre nahmen«. Um die Aus-schliefsung jenes idealen Lohnes aufrechtzuerhalten, 'war es deshalbdurchaus konsequent, dafs man sie wenigstens in bezug auf den ökono-mischen Lohn auch streng gewissenhaft behandelte: obgleich die Spiel-leute allenthalben schlechtes Recht hatten, so wurde ihnen doch, wieich schon erwähnte, gerade in bezug auf Hab und Gut unparteilichRecht gemessen. Wo der eigentlich personale Wert schlechthin gegenGeld, ohne eine darüber hinausgehende ideelle Entschädigung, fortgegebenwerden mufs, da findet deshalb eine Lockerung, gleichsam ein Substanz-verlust des individuellen Lebens statt. Das Gefühl der Tatsache, dafsim Geldverkehr personale Werte für einen inadäquaten Gegenwert aus-getauscht werden, ist sicher einer der Gründe, aus denen in Kreisenvon wirklich vornehmer und stolzer Gesinnung der Geldverkehr so oftperhorresziert und sein Gegenpol, die Landwirtschaft, als das alleinGeziemende gepriesen worden ist. So war es z. B. bei den Adligender schottischen Hochlande, die bis zum 18. Jahrhundert ein ganzisoliertes und rein autochthones Dasein führten, das aber ganz unterdem Ideal der denkbar höchsten persönlichen Freiheit stand. Denn sosehr das Geld diese fördern kann, wenn erst einmal ein eng gesponnenerVerkehr die Menschen in sich verwebt und eingeschlungen hat, so starkmufs man doch vom Standpunkt einer freien, auf sich gestellten undsich selbst genügenden Existenz aus empfinden, dafs der Austausch vonBesitz und Leistungen gegen Geld das Leben entpersonalisiert. Wenndie subjektiven und die objektiven Seiten des Lebens sich erst gesonderthaben, so kann freilich die Entpersonalisierung, die letzteren immer ent-schiedener ergreifend, der reinen Herausarbeitung der ersteren dienen;bei einer primitiveren und einheitlicheren Existenz mufs es umgekehrtals eine Unverhältnismäfsigkeit und ein Verlust gelten, wenn Besitz und