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empfunden, die der Arbeit aber nur in eben solchen nicht empfunden.Niemand pflegt daher Leid und Mühe der Arbeit auf sich zu nehmen,ohne etwas dafür einzutauschen. Was an der Arbeit eigentlich vergoltenwird, der Rechtstitel, auf den hin man eine Vergeltung für sie fordert,ist der psychische Kraftaufwand, dessen es zum Aufsichnehmen undÜberwinden der inneren Hemmungs- und Unlustgefühle bedarf. '
Die Sprache deutet diesen Sachverhalt gut an, indem sie den äufserlich-ökonomischen ebenso wie den innerlich-moralischen Ertrag unseres Tunsgleichmäfsig als Verdienst bezeichnet. Denn auch im letzteren Sinnetritt dieses doch erst ein, wenn der sittliche Impuls Hemmnisse der Ver-suchung, des Egoismus, der Sinnlichkeit überwunden hat, nicht, wenndie sittliche Handlung aus einem ganz selbstverständlichen, die Möglich-keit des Gegenteils von vornherein ausschliefsenden Triebe quillt; so dafs,um den sittlichen Musterbildern nicht das sittliche Verdienst absprechenzu müssen, die Mythenbildung der Völker allenthalben ihre Religions-stifter eine »Versuchung« besiegen läfst und Tertullian sogar den RuhmGottes für gröfser hält, si laboravit. Wie sich der eigentlich moralischeWert an das überwundene Hemmnis entgegengesetzter Impulse knüpft,so der ökonomische. Wenn der Mensch seine Arbeit leistete, wie dieBlume ihr Blühen oder der Vogel sein Singen, so würde sich kein ent-geltbarer Wert mit ihr verknüpfen. Dieser liegt also nicht in ihreräufseren Erscheinung, in dem sichtbaren Tun und Erfolg, sondern auchbei der Muskelarbeit in dem Willensaufwand, den Gefühlsreflexen, kurz,in den seelischen Bedingungen. Damit gewinnen wir die Ergänzung fürdie an das andere Ende der wirtschaftlichen Reihen sich anschliefsendefundamentale Erkenntnis: dafs aller Wert und alle Bedeutung der Gegen-stände und ihres Besitzes in den Gefühlen liegt, die sie hervorrufen,dafs das Haben ihrer als ein blofs äufserliches Verhältnis gleichgültigund sinnlos wäre, wenn sich nicht innere Zustände, Affekte der Lust,der Erhöhung und Erweiterung des Ich, daran schlössen. So wird dieSichtbarkeit wirtschaftlicher Güter von beiden Seiten — des Leistendenwie des Geniefsenden — her durch psychische Vorgänge begrenzt, dieallein es begründen, dafs für die einzelne Leistung ein Gegenwert ge-fordert wie gewährt wird. Ebenso unwesentlich und beziehungslos, wieuns ein Besitzgegenstand ist, der nicht in eine psychische Erregungübergeht, wäre uns das eigne Tun, wenn es nicht aus einem innerenempfundenen Zustande hervorginge, dessen Unlust und Opfergefühl alleindie Forderung eines Entgeltes und deren Mafs in sich trägt. In Hinsichtdes Wertes kann man deshalb sagen, Muskelarbeit sei psychische Arbeit.Als Ausnahme hiervon könnten nur diejenigen Arbeiten gelten, die der