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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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Mensch als Konkurrent der Maschine oder des Tieres vollbringt; dennobwohl sich auch diese in Bezug auf die innere Bemühung und psychischeKraftaufwendung wie alle anderen verhalten, so hat doch der, zu dessenGunsten sie vollbracht werden, keine Veranlassung, für diese innereLeistung etwas zu vergüten, da der ihm allein wichtige äufsere Effektauch durch eine rein physische Potenz erreichbar ist und die kostspieligereProduktion nirgends vergolten wird, sobald eine billigere möglich ist.Aber mit einem ganz kleinen Schritt tiefer ist vielleicht auch diese Aus-nahme in die Allbefafstheit des Äufserlichen durch das Seelische zurück-zuführen. Was an den Leistungen einer Maschine oder eines Tieres ver-golten wird, ist doch die menschliche Leistung, die in Erfindung, Her-stellung und Dirigierung der Maschine, in der Aufzucht und Abrichtungdes Tieres steckt; so dafs man sagen kann: jene menschlichen Arbeitenwerden nicht wie diese physisch-untermenschlichen vergolten, sondern,umgekehrt, diese werden gleichfalls mittelbar als psychisch-menschlichegewertet. Dies wäre nur eine ins Praktische hineinreichende Fortsetzungder Theorie, dafs wir auch den Mechanismus der unbelebten Naturschliefslich nach den Kraft- und Anstrengungsgefühlen deuten, die unsereBewegungen begleiten. Wenn wir unser eignes Wesen der allgemeinenNaturordnung einfügen, um es in ihrem Zusammenhänge zu verstehen,so ist dies nur so möglich, dafs wir zuvor die Formen, Impulse undGefühle unserer Geistigkeit in die allgemeine Natur hineintragen, das»Unterlegen« und das »Auslegen« unvermeidlich zu einem Akt verbindend.Wenn wir, dies Verhältnis zur Welt auf unsere praktische Frage aus-dehnend, an der Leistung untermenschlicher Kräfte nur die Leistungmenschlicher durch Gegenleistung aufwiegen, so fällt damit in der hierfraglichen Hinsicht der prinzipielle Grenzstrich zwischen denjenigenmenschlichen Arbeiten, deren Entgelt sich auf ihr psychisches Fundamentstützt, und denen, die wegen der Gleichheit ihres Effektes mit reinäufserlich-mechanischen diese Begründung ihres Entgeltes abzulehnenschienen. Man kann also jetzt ganz allgemein behaupten, dafs nach derSeite des aufzuwiegenden Wertes hin der Unterschied zwischen geistigerund Muskelarbeit nicht der zwischen psychischer und materieller Natursei, dafs vielmehr auch bei der letzteren schliefslich nur auf die Innen-seite der Arbeit, auf die Unlust der Anstrengung, auf das Aufgebot anWillenskraft hin das Entgelt gefordert werde. Freilich ist diese Geistig-keit, die gleichsam das Ding-an-sich hinter der Erscheinung der Arbeitist und den Binnenwert derselben bildet, keine intellektuelle, sondernbesteht in Gefühl und Willen; woraus dann folgt, dafs derselbe dem dergeistigen Arbeit nicht koordiniert ist, sondern auch diesen fundamentiert.