Druckschrift 
Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
Seite
475
Einzelbild herunterladen
 

475

Denn auch an ihm bringt ursprünglich nicht der objektive Inhalt desgeistigen Prozesses, sein von der Persönlichkeit gelöstes Resultat, dieForderung des Entgeltes hervor, sondern die subjektive, vom Willen ge-leitete Funktion, die ihn trägt, die Arbeitsmühe, der Energieaufwand,dessen es für die Produktion jenes geistigen Inhaltes bedarf. Indem soals der Quellpunkt des Wertes nicht nur von seiten des Aufnehmen-den, sondern auch des Leistenden her sich ein Tun der Seele enthüllt,erhalten Muskelarbeit und »geistige« Arbeit einen gemeinsamen, mankönnte sagen: moralischen wertbegründenden Unterbau, durch den dieReduktion des Arbeitswertes überhaupt auf Muskelarbeit ihr banausischesund brutal materialistisches Aussehn verliert. Das verhält sich ungefährwie mit dem theoretischen Materialismus, der ein ganz neues und ernst-hafter diskutables Wesen bekommt, wenn man betont, dafs doch auchdie Materie eine Vorstellung ist, kein Wesen, das, im absoluten Sinneaufser uns, der Seele entgegengesetzt ist, sondern in seiner Erkennbarkeitdurchaus bestimmt von den Formen und Voraussetzungen unserer geistigenOrganisation. Von diesem Standpunkt, auf dem die Wesensverschieden-heit körperlicher und geistiger Erscheinungen statt der absoluten einerelative wird, ist das Verlangen, die Erklärung für die im engeren Sinngeistigen in der Reduktion auf die körperlichen zu suchen, sehr vielweniger unerträglich. Hier, wie in dem Falle des praktischen Wertes,mufs das Äufsere nur aus seiner Starrheit, Isolierung und Gegensätzlich-keit gegen das Innere erlöst werden, damit es sich als einfachster Aus-druck und Mafseinheit für die höheren »geistigen« Tatsachen auftunkönne. Diese Reduktion mag gelingen oder nicht; aber mit ihrer Be-hauptung vertragen sich nun wenigstens prinzipiell die Forderungen derMethode und der fundamentalen Wertsetzungen.

Diese Ausführungen können nicht sowohl erweisen, dafs dasÄquivalent für die Arbeit sich ausschliefslich an das Quantum derMuskeltätigkeit knüpft, als gewisse Bedenken beseitigen, die man dieserVerbindung vorzuhalten pflegt. Dennoch findet sie eine Schwierigkeit,die mir unüberwindlich scheint, und zwar die von dem ganz trivialenEinwand ausgehende, dafs es doch auch wertlose, überflüssige Arbeitgebe. Denn die Widerlegung, unter der Arbeit als dem fundamentalenWerte verstehe man natürlich nur die zweckmäfsige, durch ihr Ergebnisgerechtfertigte Arbeit, enthält ein Zugeständnis, das der ganzen Theorieverderblich ist. W T enn es nämlich wertvolle und wertlose Arbeit gibt,so gibt es zweifellos auch Zwischenstufen, geleistete Arbeitsquanten,welche einige, aber nicht lauter Elemente von Zweck und Wert ent-halten; der Wert des Produktes also, der der Voraussetzung nach durch