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die in ihm investierte Arbeit bestimmt wird, ist ein grösserer odergeringerer, je nach der Zweckmäfsigkeit dieser Arbeit. Das bedeutet:der Wert der Arbeit mifst sich nicht an ihrem Quantum, sondern ander Nützlichkeit ihres Ergebnisses! Und hier hilft nicht mehr die obenbezüglich der Qualität der Arbeit versuchte Methode: die höhere, feinere,geistigere Arbeit bedeute eben der niedrigeren gegenüber mehr Arbeit,eine Häufung und Verdichtung eben derselben allgemeinen »Arbeit«,von der die grobe und unqualifizierte Arbeit nur gleichsam eine gröfsereVerdünnung, eine niedrigere Potenz darstelle. Denn dieser Unterschiedder Arbeit war ein innerer, der die Nützlichkeitsfrage noch ganz beiseiteliefs, indem die Nützlichkeit als der fraglichen Arbeit in immer gleichemMafse einwohnend dabei vorausgesetzt wurde: die Arbeit des Strafsen-kehrers ist für diese Überlegung nicht weniger »nützlich« als die desViolinspielers, und ihre geringere Schätzung stammt aus der innerenQuantität ihrer als blofser Arbeit, aus der geringeren Kondensiertheitder Arbeitsenergien in ihr. Nun aber zeigt sich, dafs diese Voraus-setzung eine zu einfache war und dafs die Verschiedenheit der äufserenNützlichkeit nicht gestattet, die Wertungsunterschiede der Arbeit vonihren blofs inneren Bestimmungen abhängen zu lassen. Wenn man dieunnütze Arbeit, oder richtiger: die Nützlichkeitsunterschiede der Arbeitaus der Welt schaffen und bewirken könnte, dafs die Arbeit genau indemselben Mafse mehr oder weniger nützlich sei, in dem sie mehr oderweniger konzentriert, kraftverbrauchend, mit einem Wort: mehr oderweniger Arbeitsquantität ist — so wäre damit zwar noch nicht dieMuskelarbeit als der einzige Wertbildner erwiesen; wohl aber könntedann die Arbeit überhaupt als Wertmafs der Objekte gelten, da dannderen anderer Faktor, die Nützlichkeit, immer derselbe wäre, also dieWertrelationen nicht mehr alterierte. Allein die Nützlichkeitsunterschiedebestehen eben, und es ist ein Trugschlufs, wenn das ethisch vielleichtbegründbare Postulat: aller Wert ist Arbeit — in den Satz umgekehrtwird: alle Arbeit ist Wert, d. h. gleicher Wert.
Hier zeigt sich nun der tiefe Zusammenhang der Arbeitswerttheoriemit dem Sozialismus; denn dieser erstrebt tatsächlich eine Verfassungder Gesellschaft, in der der Nützlichkeitswert der Objekte, imVerhältnis zu der darauf verwendeten Arbeitszeit, eineKonstante bildet. Im dritten Bande des »Kapital« führt Marx aus:die Bedingung alles Wertes, auch bei der Arbeitstheorie, sei der Gebrauchs-wert; allein das bedeute, dafs auf jedes Produkt gerade so viel Teile dergesellschaftlichen Gesamtarbeitszeit verwendet werden, wie im Verhältniszu seiner Nützlichkeitsbedeutung auf dasselbe kommen. Es wird also