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sozusagen ein qualitativ einheitlicher Gesamtbedarf der Gesellschaft vor-gestellt — dem Motto der Arbeitstheorie, Arbeit sei eben Arbeit und alssolche gleichwertig, entspricht hier das weitere, Bedürfnis sei eben Be-dürfnis und als solches gleich wichtig — und die Nützlichkeitsgleichheitaller Arbeiten wird nun erzielt, indem in jeder Produktionssphäre nurso viel Arbeit geleistet wird, dafs genau der von ihr umschriebene Teiljenes Bedarfes gedeckt wird. Unter dieser Voraussetzung wäre freilichkeine Arbeit weniger nützlich als die andere. Denn wenn man z. B.heute Klavierspielen für eine weniger nützliche Arbeit als Lokomotiven-Bauen hält, so liegt das nur daran, dafs mehr Zeit darauf verwandtwird, als dem wirklichen Bedürfnis danach entspricht. Wäre es auf dashiermit bezeichnete Mafs eingeschränkt, so wäre es genau so wertvollwie Lokomotiven - Bauen — gerade wie auch das letztere unnützlicherwürde, wenn man mehr Zeit darauf verwendete, d. h. mehr Lokomotivenbaute, als Bedarf danach ist. Mit anderen Worten: es gibt prinzipiellgarkeine Gebrauchswertunterschiede; denn wenn ein Produkt momentanweniger Gebrauchswert hat als ein anderes (also die auf jenes verwandteArbeit wertloser ist, als die dem letzteren geltende), so kann man ein-fach die Arbeit an seiner Kategorie, d. h. die Quantität seiner Pro-duktion, so lange herabsetzen, bis das darauf gerichtete Bedürfnis ebensostark ist, wie das auf den anderen Gegenstand gerichtete, d. h. bis die2industrielle Reservearmee« völlig verschwunden ist. Nur unter dieserBedingung kann die Arbeit das Wertmafs der Produkte getreu aus-drücken.
Das Wesen jedes Geldes nun ist seine unbedingte Fungibilität, dieinnere Gleichartigkeit, die jedes Stück durch jedes, nach quantitativen Ab-wägungen, ersetzbar macht. Damit es ein Arbeitsgeld gebe, mufs der Arbeitdiese Fungibilität verschafft werden, und dies kann nur auf die soebengeschilderte Weise geschehen: dafs ihr der immer gleiche Nützlichkeits-grad verschafft wird, und dies wiederum ist nur durch Reduktion derArbeit für jede Produktionsgattung auf dasjenige Mafs erzielbar, bei demder Bedarf nach ihr genau so grofs ist wie der nach jeder anderen.Dabei würde natürlich die tatsächliche Arbeitsstunde noch immer höheroder tiefer bewertet werden können; aber jetzt wäre man sicher, dafsder höhere Wert, aus der höheren Nützlichkeit des Produktes abgeleitet,ein proportional konzentrierteres Arbeitsquantum pro Stunde anzeigt;oder umgekehrt: dafs, sobald auf die Konzenti ierung der Arbeit hin derStunde ein höherer Wert zugesprochen wird, sie auch ein höheresNützlichkeitsquantum enthält. Dies aber setzt ersichtlich eine völligrationalisierte und providenzielle Wirtschaftsordnung voraus, in der jede