Sechstes Kapitel.
Der Stil des Lebens
i.
In diesen Untersuchungen ist öfters erwähnt worden, dafs die seelischeEnergie, die die spezifischen Erscheinungen der Geldwirtschaft trägt, derVerstand ist, im Gegensatz zu denjenigen, die man im allgemeinen alsGefühl oder Gemüt bezeichnet und die in dem Leben der nicht geld-wirtschaftlich bestimmten Perioden und Interessenprovinzen vorzugsweisezu Worte kommen. Dies ist zunächst die Folge des Mittelscharaktersdes Geldes. Alle Mittel als solche bedeuten, dafs die Verhältnisse undVerkettungen der Wirklichkeit in unseren Willensprozefs aufgenommenwerden. Sie sind nur durch ein objektives Bild tatsächlicher Kausal-verknüpfungen möglich, und offenbar würde ein Geist, welcher die Ge-samtheit dieser fehlerlos überschaute, für jeden Zweck von jedem Aus-gangspunkt aus die geeignetsten Mittel geistig beherrschen. Aber dieserIntellekt, der die vollendete Möglichkeit der Mittel in sich bärge, würdedarum noch nicht die geringste Wirklichkeit eines solchen produzieren,weil dazu die Setzung eines Zweckes gehört, im Verhältnis zu demjene realen Energien und Verbindungen erst die Bedeutung von Mittelnerhalten und der seinerseits nur durch eine Willenstat kreiert werdenkann. So wenig in der objektiven Welt, wenn kein Wille zu ihr hinzu-tritt, etwas Zweck ist, so wenig in der Intellektualität, die doch nur einevollkommenere oder unvollkommenere Darstellung des Weltinhaltes ist.Und vom Willen hat man richtig gesagt, aber meistens falsch verstanden,dafs er blind ist. Er ist es nämlich nicht in demselben Sinne, wie Hödhroder der geblendete Cyklop, die aufs geratewohl losstürmen; er wirktnichts Unvernünftiges, im Sinne des Wertbegriffes Vernunft, sondern erkann überhaupt nichts wirken, wenn er nicht irgend einen Inhalt erhält,der niemals in ihm selbst liegt; denn er ist nichts anderes als eine der