psychologischen Formen (wie das Sein, das Sollen, das Hoffen usw.), indenen Inhalte in uns leben, eine der — wahrscheinlich in begleitendenMuskel- oder sonstigen Gefühlen psychisch realisierten — Kategorien, indie wir den an sich blofs ideellen Gehalt der Welt fassen, damit er füruns eine praktische Bedeutung gewinne. So wenig also der Wille —der blofse, zu einer gewissen Selbständigkeit gesteigerte Name dieserForm — von sich aus irgend einen bestimmten Inhalt erkürt, so weniggeht aus dem blofsen Bewufstsein der Weltinhalte, also aus der Intellek-tualität, irgend eine Zwecksetzung hervor. Vielmehr, zu der völligenIndifferenz jener und aus ihnen selbst nicht berechenbar, tritt an irgendeinem Punkte ihre Betonung durch den Willen. Ist dies erst einmal ge-schehen, so findet freilich rein logisch und durch die theoretische Sach-lichkeit bestimmt, die Überleitung des Willens auf andere, mit jenerersten kausal verbundene Vorstellungen statt, die nun als »Mittel« zu jenem»Endzweck« gelten. Überall, wo der Intellekt uns führt, sind wir schlecht-hin abhängig, denn er führt uns nur durch die sachlichen Zusammen-hänge der Dinge, er ist die Vermittlung, durch die das Wollen sich demselbständigen Sein anpafst. Fassen wir den Begriff der Mittelberechnungin voller Schärfe, so sind wir, in ihr verweilend, rein theoretische, ab-solut nicht - praktische Wesen. Das Wollen begleitet die Reihe unsererÜberlegungen nur wie ein Orgelpunkt oder wie die allgemeine Voraus-setzung eines Gebietes, in dessen inhaltliche Einzelheiten und Verhältnissesie nicht eingreift, in das aber erst sie Leben und Wirklichkeit ein-strömen läfst.
Die Anzahl und Reihenlänge der Mittel, die den Inhalt unsrer Tätig-keit bilden, entwickelt sich also proportional mit der Intellektualität, alsdem subjektiven Repräsentanten der objektiven Weltordnung. Da nunjedes Mittel als solches völlig indifferent ist, so knüpfen sich alle Gefühls-werte im Praktischen an die Zwecke, an die Haltepunkte des Handelns,deren Erreichtheit nicht mehr in die Aktivität, sondern nur in dieRezeptivität unserer Seele ausstrahlt. Je mehr solcher Endstationenunser praktisches Leben enthält, desto stärker wird sich also die Gefühls-funktion gegenüber der Intellektfunktion betätigen. Die Impulsivitätund Hingegebenheit an den Affekt, die von Naturvölkern so vielfachberichtet wird, hängt sicher mit der Kürze ihrer teleologischen Reihenzusammen. Ihre Lebensarbeit hat nicht die Kohäsion der Elemente,die in höheren Kulturen durch den einheitlich das Leben durchziehenden»Beruf« geschaffen wird, sondern besteht aus einfachen Interessenreihen,die, wenn sie ihr Ziel überhaupt erreichen, es mit relativ wenig Mittelntun; wozu besonders viel die Unmittelbarkeit der Bemühung um denSimmel, Philosophie des Geldes. 2. Aufl. 31