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Symbol des anderen, dieses zur Vorstellbarkeit und Darstellbarkeitbringend, keines das erste, keines das zweite, sondern in ihrem Auf-einander - Angewiesensein die Einheit ihres, d. h. unseres Wesens ver-wirklichend.
Dieser gegenseitigen symbolisierenden Deutung sind die seelischenund die körperhaften Daseinsinhalte um so unbedenklicher zugängig, jeeinfacher sie sind. Bei den einfachen Prozessen der Verbindung, Ver-schmelzung, Reproduktion der Vorstellungen können wir noch einiger-mafsen die Idee einer allgemeinen Formgesetzlichkeit festhalten, die derinneren wie der äufseren Welt ein analoges Verhalten vorschreibt undso die eine zur Stellvertretung der anderen geeignet macht. Bei kom-plizierteren und eigenartigeren seelischen Gebilden wird die Bezeichnungnach Analogien der räumlichen Anschaulichkeit immer diffiziler; immerdringender ist sie auf die Anwendbarkeit in einer Vielheit von Fällenangewiesen, um nicht zufällig und spielerisch zu erscheinen und um einefeste, wenn auch nur symbolische Beziehung zu der seelischen Wirk-lichkeit zu besitzen. Und von sich selbst ausgehend wird diese letztereden Weg in die Dinge, deren Sinn und Bedeutung nach sich inter-pretierend, um so schwerer und unsicherer finden, je spezieller oderzusammengesetzter die Vorgänge auf beiden Seiten sind; denn um sounwahrscheinlicher und schwerer herausfühlbar wird jene geheimnisvolleFormgleichheit innerer und äufserer Erscheinungen, die der Seele eineBrücke von den einen in die anderen baut. — Hiermit sollen Erwägungeneingeleitet werden, die eine Reihe mannigfaltiger innerer Kulturerschei-nungen zusammenfassen und dadurch, dafs diese alle die Deutung nachje einer und derselben anschaulichen Analogie gestatten, einleuchtendmachen sollen, dafs sie alle einem und demselben Stil des Lebens an-gehören.
Eines der häufigsten Bilder, unter denen man sich die Organisationder Lebensinhalte deutlich zu machen pflegt, ist ihre Anordnung zueinem Kreise, in dessen Zentrum das eigentliche Ich steht. Es gibteinen Modus des Verhältnisses zwischen diesem Ich und den Dingen,Menschen, Ideen, Interessen, den wir nur als Distanz zwischen beidenbezeichnen können. Was uns zum Objekt wird, das kann, inhaltlichungeändert bleibend, nahe an das Zentrum heran- oder bis zur Peripherieunseres Blick- und Interessenkreises abrücken; aber dies bewirkt nichtetwa, dafs unser inneres Verhältnis zu diesem Objekt sich ändere, son-dern umgekehrt, wir können gewisse Verhältnisse des Ich zu seinenInhalten nur durch das anschauliche Symbol einer bestimmten oder sichändernden Distanz zwischen beiden bezeichnen. Es ist von vorn-