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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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indem der wachsenden Bedeutung des Mittels eine gerade indem selbenMals wachsende Perhorreszierung und Verneinung seines Zwecks ent-spricht. Und dieses Gebilde durchdringt das Volksleben mehr und mehr,greift in den weitesten Umkreis personaler, innerpolitischer und Produktions.Verhältnisse ein, gibt gewissen Altersstufen und gewissen sozialen Kreisendirekt und indirekt ihre Färbung! Weniger krafs, aber gefährlicher undschleichender tritt diese Richtung auf das Illusorisch-Werden der End-zwecke vermittels der Fortschritte und der Bewertung der Technik auf.Wenn die Leistungen derselben in Wirklichkeit zu demjenigen, woraufes im Leben eigentlich und schliefslich ankommt, eben doch höchstensim Verhältnis von Mittel oder Werkzeug, sehr oft aber in garkeinemstehen so hebe ich von den mancherlei Veranlassungen, diese Rolleder Technik zu verkennen, nur die Grofsartigkeit hervor, zu der sie sichin sich entwickelt hat. Es ist einer der verbreitetsten und fast un-vermeidlichen menschlichen Züge, dafs die Höhe, Gröfse und Vollendung,welche ein Gebiet innerhalb seiner Grenzen und unter den ihm eignenVoraussetzungen erlangt hat, mit der Bedeutsamkeit dieses Gebietes alsganzen verwechselt wird; der Reichtum und die Vollkommenheit dereinzelnen Teile, das Mals, in dem das Gebiet sich seinem eignen immanentenIdeale nähert, gilt gar zu leicht als Wert und Würde desselben überhauptund in seinem Verhältnis zu den andern Lebensinhalten. Die Erkenntnis,dafs etwas in seinem Genre und gemessen an den Forderungen seinesTypus sehr hervorragend sei, während dieses Genre und Typus selbstweniges und niedriges bedeute diese Erkenntnis setzt in jedem einzelnenFalle ein sehr geschärftes Denken und differenziertes Wertempfindenvoraus. Wie häufig unterliegen wir der Versuchung, die Bedeutung dereignen Leistung dadurch zu exaggerieren, dafs wir der ganzen Provinz,der sie angehört, übertriebene Bedeutung beilegen! indem wir ihrerelative Höhe auf jenes Ganze überfliefsen lassen und sie dadurch zueiner absoluten steigern. Wie oft verleitet der Besitz einer hervor-ragenden Einzelheit irgend einer Wertart von den Gegenständen derSammelmanien anfangend bis zu den spezialistischen Kenntnissen eineswissenschaftlichen Sondergebietes dazu, eben diese Wertart als ganzeim Zusammenhänge des Wertkosmos so hoch zu schätzen, wie jene.Einzelheit es innerhalb ihrer verdient! Es ist, im Grunde genommen,immer der alte metaphysische Fehler: die Bestimmungen, welche dieElemente eines Ganzen untereinander, also relativerweise, aufzeigen, aufdas Ganze zu übertragen der Fehler, aus dem heraus z. B. dieForderung ursächlicher Begründung, die für alle Teile der Welt undfür deren Verhältnis untereinander gilt, auch dem Ganzen der Welt