an den ganzen Bewegungskomplex schafft, deren allmähliches Fester-werden jede Wiederholung erleichtert. Der Rhythmus genügt gleich-zeitig den Grundbedürfnissen nach Mannigfaltigkeit und nach Gleich-mäfsigkeit, nach Abwechslung und nach Stabilität: indem jede Periodefür sich aus differenten Elementen, Hebung und Senkung, quantitativenoder qualitativen Mannigfaltigkeiten besteht, die regelmäfsige Wieder-holung ihrer aber Beruhigung, Uniformität, Einheitlichkeit im Charakte-der Reihe bewirkt. An der Einfachheit oder der Komplikation derRhythmik, der Länge oder Kürze ihrer einzelnen Perioden, ihrer Regel-mäfsigkeit, ihren Unterbrechungen, oder auch ihrem Ausbleiben findendie individuellen und die sozialen, die sachlichen und die historischenLebensreihen gleichsam ihre abstrakte Schematik. Innerhalb der hierfraglichen Kulturentwicklungen begegnen zunächst eine Reihe von Er-scheinungen, die in früheren Stadien rhythmisch, in späteren aber konti-nuierlich oder unregelmäfsig verlaufen. Vielleicht die auffallendste: derMensch hat keine bestimmte Paarungszeit mehr, wie sie fast bei allenTieren besteht, bei denen sich sexuelle Erregtheit und Gleichgültigkeitscharf gegeneinander absetzen; unkultivierte Völker weisen mindestensnoch Reste dieser Periodik auf. Die Verschiedenheit in der Brunstzeitder Tiere hängt wesentlich daran, dafs die Geburten zu derjenigen Jahres-zeit erfolgen müssen, in der Nahrungs- und klimatische Verhältnisse fürdas Aufbringen der Jungen am günstigsten sind; tatsächlich werden auchbei einigen der sehr rohen Australneger, die keine Haustiere haben unddeshalb regelmäfsigen Hungersnöten unterliegen, nur zu einer bestimmtenZeit des Jahres Kinder geboren. Der Kulturmensch hat sich durch seineVerfügung über Nahrung und Wetterschutz hiervon unabhängig gemacht,so dafs er in dieser Hinsicht seinen individuellen Impulsen und nichtmehr allgemein, also notwendig rhythmisch, bestimmten, folgt: die obengenannten Gegensätze der Sexualität sind bei ihm in ein mehr oderweniger fluktuierendes Kontinuum übergegangen. Immerhin ist fest-gestellt, dafs die noch beobachtbare Periodizität des Geburtenmaximumsund -minimums in wesentlich Ackerbau treibenden Gegenden entschiedenerist als in industriellen, auf dem Lande entschiedener als in Städten.Weiter: das Kind unterliegt einem unbezwinglichen Rhythmus vonSchlafen und Wachen, von Betätigungslust und Abgespanntheit, und an-nähernd ist das auch noch in ländlichen Verhältnissen zu beobachten —während für den Stadtmenschen diese Regelmäfsigkeit der Bedürfnisse(nicht nur ihrer Befriedigungen!) längst durchbrochen ist. Und wenn eswahr ist, dafs die Frauen die undifferenziertere, der Natur noch un-mittelbarer verbundene Stufe des Menschlichen bezeichnen, so könnte
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