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Wenn man den Beitrag zur Bestimmung des Lebenstempos charak-terisieren will, den das Geld durch seinen eigenen Charakter und abgesehenvon seinen zuerst besprochenen technischen Folgen liefert, so könnte manes mit folgender Überlegung. Die genauere Analyse des Beharrungs-und Veränderungsbegriffes zeigt einen doppelten Gegensatz in der Art,wie er sich verwirklicht. Sehen wir die Welt auf ihre Substanz hin an,so münden wir leicht auf der Idee eines sv v.ai näv , eines unveränder-lichen Seins, das durch den Ausschlufs jeder Vermehrung oder Ver-minderung den Dingen den Charakter eines absoluten Beharrens erteilt.Sieht man andrerseits auf die Formung dieser Substanz, so ist in ihr dieBeharrung absolut aufgehoben, unaufhörlich setzt sich eine Form in dieandere um und die Welt bietet das Schauspiel eines Perpetuum mobile.Dies ist der kosmologische, oft genug ins Metaphysische hinaus gedeuteteDoppelaspekt des Seienden. Innerhalb einer tiefer gelegenen Empirie indesverteilt sich der Gegensatz zwischen Beharrung und Bewegung in andererWeise. Wenn wir nämlich das Weltbild, wie es sich unmittelbar dar-bietet, betrachten, so sind es gerade gewisse Formen, die eine Zeithindurch beharren, während die realen Elemente, die sie zusammen-setzen, in fortwährender Bewegung befindlich sind. So beharrt derRegenbogen bei fortwährender Lageveränderung der Wasserteilchen, dieorganische Form bei stetem Austausch der sie erbauenden Stoffe, ja,an jedem unorganischen Ding, das eine Weile als solches besteht, beharrtdoch nur das Verhältnis und die Wechselwirkung seiner kleinsten Teile,während diese selbst in unaufhörlichen molekularen Bewegungen, unseremAuge entzogen, begriffen sind. Hier ist also die Realität selbst in rast-losem Flusse, und während wir diesen, sozusagen wegen mangelnderSehschärfe, nicht unmittelbar konstatieren können, verfestigen sich dieFormen und Konstellationen der Bewegungen zu der Erscheinung desdauernden Objektes.
Neben diesen beiden Gegensätzen in der Anwendung des Beharrungs-und Bewegungsbegriffes auf die vorgestellte Welt steht ein dritter. DieBeharrung kann nämlich einen Sinn haben, der sie jenseits jeder nochso ausgedehnten Zeitdauer stellt. Der einfachste, aber für uns hierzureichende Fall derselben ist das Naturgesetz. Die Gültigkeit desNaturgesetzes beruht darin, dafs aus einer gewissen Konstellation vonElementen eine bestimmte Wirkung sachlich notwendig erfolgt. DieseNotwendigkeit ist also ganz unabhängig davon, wann ihre Bedingungensich in der Wirklichkeit etwa einstellen; einmal oder millionenmal,jetzt oder in hunderttausend Jahren; die Gültigkeit des Gesetzes ist eineewige im Sinne der Zeitlosigkeit; es schliefst seinem Wesen und Begriffe