Einleitung
Erstes Kapitel: Der Geist im Wirtschaftsleben
Was ist das: der Geist im Wirtschaftsleben? Ein Witz-bold, zu dem ich davon sprach, meinte: es gäbe im Wirtschafts-leben überhaupt keinen Geist. Das ist nun sicher falsch; selbstwenn man das Wort in dem Sinne faßt, in dem es von ihmgemeint war; in dem Sinne also, in dem wir es mit denSuffixen reich und voll verbinden.
Aber in diesem Sinne gebrauche ich das Wort Geist natür-lich nicht, wenn ich hier von einem Geist im Wirtschaftslebenrede. Ich verstehe darunter auch nicht, woran man ebenfallsdenken könnte, das, was man wohl besser als Geist des Wirt-schaftslebens bezeichnet; nämlich eines bestimmt gearteten Wirt-schaftslebens, das man in seiner ideellen (begrifflichen) Reinheitdamit zum Ausdruck zu bringen sucht, daß man nach seinem„Geiste " sucht, wie man etwa den „Geist des römischen Rechts"aufzuweisen vermag.
Ich gebrauche die Wortverbindung vielmehr in dem schlichtenVerstand, wonach sie so viel bedeutet, wie alles Seelische,in diesem Sinne also alles Geistige, das im Bereiche desWirtschaftslebens zutage tritt. Daß ein solches aber vor-handen sei, wird niemand bestreiten wollen; es sei denn, erleugne ein spezisch Seelisches in den menschlichen Bestrebungenüberhaupt. Denn auch die wirtschaftliche Tätigkeit kommtnatürlich nur zustande, wenn menschlicher Geist sich der Körper-welt mitteilt und auf sie wirkt. Alle Produktion, aller Trans-port ist Bearbeitung der Natur, und in aller Arbeit steckt selbst-verständlich Seele. Will man bildlich reden, so kann man dasWirtschaftsleben als einen Organismus ansprechen und vondiesem aussagen, daß er aus Körper und Seele zusammengesetzt