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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Einleitung

sei. Den Wirtschaftskörper bilden die äußeren Formen, indenen sich das Wirtschaftsleben abspielt: die Wirtschafts- undBetriebsformen, die Organisationen mannigfacher Art, in derenLlmkreis und mit deren Äilfe gewirtschaftet wird; aber auch dieäußeren Bedingungen, unter denen der wirtschaftliche Prozeßsich vollzieht, kann man dem Wirtschaftskörper zurechnen, demnun eben der Wirtschaftsgeist gegenübersteht. Das heißt alsodie Gesamtheit seelischer Eigenschaften und Tätigkeiten, die beimWirtschaften in Betracht kommen. Alle Äußerungen desIntellekts, alle Charakterzüge, die bei wirtschaftlichen Strebungenzutage treten. Ebenso aber auch alle Zielsetzungen, alle Wert-urteile, alle Grundsätze, von denen das Verhalten der wirt-schaftenden Menschen bestimmt und geregelt wird.

Ich fasse den Begriff also in einem denkbar weiten Sinneund beschränke ihn nicht etwa, wie es häufig geschieht, auf denBereich, den man durch die Wirtschaftsethik umschreiben kann,das heißt auf das sittlich Normative im Amkreis des Wirt-schaftlichen . Dieses bildet vielmehr nur einen Teil dessen, wasich als Geist im Wirtschaftsleben bezeichne.

Das Geistige, das wir in wirtschaftlichen Handlungen auf-weisen können, trägt entweder einen allgemeinen Chrakter: isteine allgemeine seelische Eigenschaft, eine allgemeine Maxime,die sich nur innerhalb eines bestimmten Tätigkeitskreises bemerk-bar machen: etwa die Klugheit oder die Energie; etwa dieEhrlichkeit und Wahrhaftigkeit. Oder es sind Äußerungen desSeelenlebens, die nur mit Bezug auf wirtschaftliche Vorgängezutage treten (wenn sie auch auf allgemeine Eigenschaften undWertungen zurückzuführen sind): wie etwa eine spezifisch kalku-latorische Vornahme oder ein bestimmtes Prinzip der Buch-führung u. dgl.

Mit diesen Feststellungen sind wir nun aber einer Frageganz nahe gerückt, die recht eigentlich im Mittelpunkte unseres