Erstes Kapitel: Der Geist im Wirtschaftsleben
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Interesses steht und um deren Beantwortung sich ein großerTeil des Streites dreht, den meine Problemstellung hervor-gerufen hat, der Frage: ob es denn immer derselbe Geist sei,der im Wirtschaftsleben oder genauer in dem wirtschaftendenMenschen herrscht, oder ob sich ein verschiedener Geist etwa nachIndividuen, nach Berufen, nach Ländern, nach Zeiten odersonstwie unterscheiden lasse.
Seltsam: hier sind es vor allem die Historiker vom Fach,die mit Leidenschaftlichkeit den Satz verfechten: es sei imGrunde immer derselbe Geist gewesen, der die Menschen beiihrem wirtschaftlichen Verhalten geleitet habe. Seltsam nenneich diese Tatsache, weil es doch gerade immer die Historiker sind,die sich (mit Recht I) dagegen sträuben, etwas Allgemeines überdie Geschichte der Menschen auszusagen, etwa „allgemeine Ent-wicklungsgesetze" aufzustellen, die mit Windelband meinen: esblieben in diesem Falle, das heißt wenn man allgemein gültigeSätze aus dem Ablauf der Geschichte abstrahieren wollte, nurwenige Trivialitäten übrig. Diese selben Männer wehren sichmit Äänden und Füßen gegen meine These: der Geist, der dieWirtschaftssubjekte beherrscht, könne ein grundverschiedener seinund sei schon jeweils ein grundverschiedener gewesen. Offen-bar spukt hier in den Köpfen derer, die sich nur gelegentlich mitden Problemen des Wirtschaftslebens beschäftigen, die alteVorstellung (die die Nationalökonomen längst als falsch er-kannt haben) von einer „ökonomischen Natur" des Menschen,von dem eLonomical man, den die Klassiker als Wirtschafts-menschen schlechthin betrachteten, den wir aber längst als denkapitalistischen Wirtschaftsmenschen entlarvt haben. Nein. Dieallererste Voraussetzung für ein richtiges Verständnis wirtschaft-licher Vorgänge ist die Einsicht, daß der Geist des Wirtschafts-lebens (in dem Sinne also, in dem die Wortverbindung hier
verstanden wird) grundverschieden sein kann; das heißt also, um
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