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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Einleitung

es noch einmal genau festzustellen, daß die bei der Vornahmewirtschaftlicher Handlungen erforderten seelischen Qualitätenebenso verschieden von Fall zu Fall sind wie die leitenden Ideenund Grundsätze, nach denen die wirtschaftliche Tätigkeit eingestelltwird. Ich behaupte: es ist ein andererGeist", der einenHandwerker alten Schlages und einen modernen amerika-nischen Unternehmer beherrscht; ich behaupte: zwischen Herrnvon Nothsattel und Veitel Jtzig und zwischen diesen beidenund T. O. Schröter besteht ein beträchtlicher Unterschied inihrer Stellung zum Wirtschaftsleben; der Büttnerbauer undseine Geldgeber sind von einem verschiedenen Wirtschaftsgeistebeherrscht.

Wer unbefangen an die Dinge herantritt, wird mir entgegen-halten: es sei kindisch von mir, solche Trivialitäten erst aus-drücklich zubehaupten". Wer die Literatur kennt, die sich anmeine Lehre vomGeist im Wirtschaftsleben" anknüpft, weiß,daß meine Behauptungen keineswegs allgemein als richtig an-erkannt sind, daß vielmehr die große Mehrzahl meiner Kritikersie rundweg für falsch erklärt. Wie so etwas möglich ist, ver-mag man nur zu begreifen, wenn man die Einwände, die gegenmeine Auffassung erhoben worden sind, kennen lernt. Bei derzentralen Bedeutung dieser Frage will ich in Kürze die wichtigstendieser Einwände hier verzeichnen und gleich dabei sagen, weshalbsie mir als nicht stichhaltig erscheinen. Wenn ich dabei dieNamen der Kritiker unerwähnt lasse, so werden die Leser mirdas nicht übel nehmen.

Die einen also, die Radikalen, behaupten: es habe immerderselbe Geist im Wirtschaftsleben geherrscht: alle Menschen,die wirtschafteten, erstrebten Gewinn, immer sei gerechnet wordenund werde gerechnet usw. Höchstens geben sie zu: daßGrad-unterschiede" zwischen einemrechnenden" Bauern im Mittel-alter und einem modernen Bankier, zwischen dem Gewinnstreben